Zu anderer Zeit wäre all das für Jurii interessant gewesen und hätte sicher seine Aufmerksamkeit erregt. Jetzt aber störte ihn irgend etwas. Doch da er sah, daß Ljalja zwar ihrem Gesicht einen über alles erhabenen Ausdruck zu geben versuchte, aber dabei komisch wie ein kleines Kind auf Anerkennung wartete, überwand er sich mit vieler Mühe und sagte:

„So? ... Nun gut!“

„Wie sollte ich mich da also langweilen? ...“

„Na, und ich komme vor Langweile um,“ gab Jurii ohne Ueberlegung zur Antwort.

„Wie liebenswürdig du bist! ... Garnicht zu sagen! ... Bist gerad erst ein paar Stunden zu Hause, hast die auch verschlafen und dann langweilst du dich schon.“

„Dagegen ist nichts zu tun. Das kommt von Gott,“ erwiderte Jurii mit einem Anstrich von Selbstgefälligkeit. Sich zu langweilen, schien ihm viel eindrucksvoller und ernster, als vergnügt zu sein. — — — — Das kann jeder, dachte er.

„Von Gott, von Gott,“ schmollte Ljalja scherzhaft und drohte ihm mit der Hand: „Uuuuuu!“

Jurii fiel es garnicht auf, daß sich seine Stimmung inzwischen bedeutend gebessert hatte. Die helle Stimme und die Lebensfreudigkeit Ljaljas zerstreute rasch die schalen Empfindungen, die er für tief und wichtig hielt. Auch Ljalja glaubte nicht, doch ohne sich darüber klar zu sein, an seine Trübsal und wurde deshalb nicht im geringsten durch sein Gerede verletzt.

Ganz vergnügt sah ihr Jurii jetzt ins Gesicht und sagte: „Ich fühle mich niemals froh.“

Ljalja lächelte sehr interessiert und meinte in diesem Augenblick wirklich, daß er ihr etwas sehr Witziges erzählt hätte.