„Ja, die Nacht ist wunderschön,“ wiederholte er, diesen einfachen Worten einen tiefen, nur ihnen verständlichen Sinn gebend.
„Mag ihr wohl sein,“ rief Iwanow im Baß. „Meinen Segen, aber ich möchte schlafen. Gute Nacht, Signori!“ Er schritt gleichmäßig die Straße hinab, mit den Armen um sich fuchtelnd, wie eine Mühle mit ihren Flügeln. Nowikow und Semionow gingen zusammen fort. Rjäsanzew brauchte unter dem Vorwand, noch das Piknik mit Ljalja zu besprechen, sehr viel Zeit zu seinem Abschied.
„Nun, baba, baba,“ sagte Ljalja endlich scherzhaft und schob ihn von sich. Als er ging, reckte sie sich und seufzte auf; es wurde ihr schwer, das Mondlicht, die warme Nachtluft zu verlassen und alles das, wozu sie ihr kräftiger, junger Körper lockte.
Jurii überlegte, daß sich der Vater wahrscheinlich noch nicht niedergelegt hätte und daß es nun unvermeidlich zu dieser unerquicklichen und zwecklosen Auseinandersetzung kommen müsse, wenn sie beide aufblieben.
„Nein,“ sagte er zögernd zu Ljalja, die wartend auf der Treppe stand, „ich laufe noch ein wenig spazieren.“ Er blickte gradeaus auf die bläulichen Wogen des Nebels, die wie ein Vorhang über dem Flusse hin und her schwankten und die ganze Luft in zitternde Bewegung brachten.
„Wie du willst. Gute Nacht!“ Ljalja sprach mit einer eigentümlich zärtlichen Stimme. Dann reckte sie sich noch einmal in die Höhe, kniff die Augen wie ein Kätzchen zusammen, lächelte irgendwohin dem Mondschein nach und schritt schleppend ins Haus.
Jurii blieb allein. Eine Minute lang stand er unbeweglich und starrte auf die schwarzen Schatten der Häuser, die tief und kalt dalagen, schreckte plötzlich zusammen und schritt ebenfalls in der Richtung aus, in der er den kranken Semionow dahinschleichen sah.
Der Kranke war noch nicht weit gekommen. Er ging eigentümlich langsam, Schritt für Schritt, mit einer besonderen Betonung; er schleifte die Füße herum, während sein Oberkörper gebückt und nach vorn hing und nur von Zeit zu Zeit in einem dumpfen Husten zusammenfuhr. Auf der hellen Erde lief sein kalter, schwarzer Schatten aufmerksam hinter ihm her.
Sowie Jurii ihn eingeholt hatte, fiel es ihm auf, daß er sich völlig verändert hatte. Während des ganzen Abendessens hatte Semionow mehr gescherzt und gelacht als all die andern; jetzt aber lief er traurig und zerbrochen hin und aus seinem harten Husten klangen leidvolle, hoffnungslose Töne heraus; gleichzeitig drohend und grausam, wie die Krankheit selbst, an der er litt.
„Ach, Sie sind es,“ meinte er zerstreut, als er Jurii bemerkte, — wie es diesem vorkam, unfreundlich.