„Gelesen!“

„Nun, nett ist das? ... Was? ...“

Aber statt einer zusammenhängenden Antwort schwenkte Semionow plötzlich in großer Erregung seinen Stock mit der breiten Krücke. Sein Schatten bewegte neben ihm in gleicher Weise seinen langen, grauen Arm und Jurii mußte in diesem Augenblick an das unheilvolle Flügelschlagen irgend eines schwarzen Raubvogels denken.

Dann setzte Semionow eilig und zusammenhanglos zum Sprechen ein, als dürfe er keine Zeit mehr verlieren und seine Worte stürzten sich wild auf Jurii:

„Was ich Ihnen sagen werde, ... ich werde Ihnen sagen, daß ich hier sterbe. Verstehen Sie, einfach sterbe.“

Und noch einmal schwang er den Stock und nochmals wiederholte der schwarze Schatten seine drohende Geste.

Diesmal hatte Semionow selbst sie bemerkt.

„Da,“ sagte er bitter, „hinter meinem Rücken steht der Tod und lauert auf jede meiner Bewegungen. Ach, was ist mir Bebel! Ein Schwätzer schwatzt das, ein andrer etwas Anderes, ins volle Leben schwatzen sie hinein, und mir steht sowieso bevor, heute oder morgen abzufahren. Verstehen Sie, zum Teufel zu gehen.“

Jurii schwieg verlegen, ihn überkam eine schmerzliche Trauer; das, was er gehört hatte, verletzte ihn.

„Denken Sie vielleicht, daß mir das alles wichtig ist? ... Das, was in der Universität geschah oder was Bebel zu reden beliebte. Ich meine, wenn es einmal mit Ihnen so zum Sterben kommt, wie jetzt mit mir, verstehen Sie, es handelt sich hier darum, zuversichtlich zu wissen, daß man stirbt, dann, nun zum Teufel, Ihnen wird noch nicht einmal der Gedanke in den Kopf kommen, daß da Worte eines Bebels, Tolstois, Nietzsches oder von sonst irgend einem Trottel existieren und einen Sinn haben sollen.“