Immer klarer stieg vor ihnen der Berg empor, auf dessen Gipfel Kirchtürme blinkten und weiße Klostermauern glänzend hell hervorschimmerten. Die ganze Höhe, mit einem Eichenwäldchen bedeckt, erschien wie krausgelockt unter den wogenden Baumwipfeln. Eichen wuchsen auch unterhalb des Berges an beiden Ufern des Flusses, der sich am Fuße der Hügelkette in breiter, träger Ruhe hinwälzte; auch seine Inseln, die wie aus einer silbernen Decke hervorbrachen, waren mit starken Eichen bestanden.

Ueberall roch es nach Wasser und kräftigen Baumblättern, nach Wiesengras und Feldblumen; ein starker, belebender Geruch, der den Frohsinn aller noch steigerte.

Die Pferde bogen von selbst von dem befahrenen Wege ab und lenkten auf das weiche, saftige Wiesengras hinüber, das unter den Hufen zu Boden klatschte, sich aber hinter den Rädern der leichten Wagen gleich wieder in die Höhe richtete. Als Treffpunkt hatte man eine besonders beliebte Waldwiese bestimmt; dort wurden sie schon von drei Personen erwartet, die vor ihnen angelangt waren; einem Student und zwei jungen Mädchen, beide in kleinrussischen, buntgestickten Blusen. Auf dem Grase hatten sie schon Decken ausgebreitet und unter Lachen und Neckereien waren sie beschäftigt, Tee und Imbiß zurechtzumachen.

Die Pferde blieben mit einem Ruck stehen und ließen augenblicklich die Schweife auf das Fell klatschen, um die Fliegen zu vertreiben; die Ausflügler, von der Fahrt, der Luft und dem Dunst des Wasser und des Waldes angeregt, drängten sich alle gleichzeitig aus den Kremsern heraus, stießen sich und sprangen lachend auf den Boden.

Ljalja begann sofort die beiden Mädchen, die den Tee bereiteten, laut zu begrüßen. Lyda nickte, ohne unhöflich zu sein, doch merklich zurückhaltender, stellte dann aber ihren Bruder und Jurii Swaroschitsch vor. Die Mädchen blickten hoch und sahen beide mit jugendlicher, heimlicher Neugierde an.

„Aber ihr seid ja selbst noch garnicht bekannt,“ rief plötzlich Lyda, auf ihren Bruder und Jurii blickend. „Bitte, das ist mein Bruder, Wladimir Petrowitsch, und dies, Jurii Nikolajewitsch Swaroschitsch.“

Ssanin drückte lächelnd und mit weicher Bewegung, doch nachdrücklich die Hand Juriis, der ihm bis dahin gar keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte und sich auch bei der Vorstellung vollkommen gleichgültig verhielt.

Für Ssanin war jeder Mensch, der ihm begegnete, interessant, und es freute ihn stets, neue Menschen kennen zu lernen; Jurii war dagegen überzeugt, daß es für ihn nur sehr wenig bemerkenswerte Menschen geben könne und verhielt sich daher im Anfange sehr reserviert. Iwanow kannte Ssanin bereits oberflächlich und das, was er von ihm gehört hatte, fand er sehr sympathisch. Neugierig sah er ihn jetzt an, trat als erster auf ihn zu und suchte ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen. Semionow reichte ihm nur im Vorbeigehen flüchtig die Hand.

„Nun, jetzt dürfen wir aber schon vergnügt sein,“ rief Ljalja, „mit der langweiligen Vorstellerei sind wir endlich fertig.“

Doch trotz ihrer Aufmunterung fühlte man sich im Anfang etwas befangen, da sich zu viele von ihnen das erste Mal sahen; erst, als man mit dem Essen begonnen hatte und die Männer Wodka, die Mädchen Wein tranken, schwand die Spannung und alle wurden heiter. Es wurde viel getrunken, Scherze, denen dann jedesmal helles Lachen folgte, flogen hin und her, man tanzte und lief um die Wette und schließlich stiegen sie alle den Berg hinauf. Der Wald lag in grüner Schönheit da, still, in verhaltener Ruhe, rings um sie regte sich kein fremdes Geräusch, sodaß keinem von ihnen ein trübes Gefühl oder irgendwelche Besorgnis im Herzen blieb.