Jurii steckte die Kerze an und bemühte sich keinen der andern anzusehen. Ihm kam es jetzt ebenfalls so vor, als ob er sich mit seinem Mut nur lächerlich mache. Gleichzeitig tauchte aber die andere Empfindung in ihm auf, daß es schön und bewunderswert sei, und damit regte sich in ihm eine angenehme und bange Neugierde.
Er wartete, bis die Kerze aufflackerte, und lachend, um sich gegen den Spott zu sichern, schritt er vorwärts; sogleich verschwand er in der Dunkelheit. Das rief den Eindruck hervor, als wäre die Kerze selbst ausgelöscht, und allen wurde es in der Tat unheimlich zumute; man war besorgt um ihn und doch wieder neugierig.
„Seien Sie vorsichtig, Jurii Nikolajewitsch,“ rief Rjäsanzew noch hinter ihm her, um seine Besorgnis auszudrücken. „Geben Sie gut acht. Dort halten sich mitunter Wölfe versteckt.“
„Ich habe einen Revolver bei mir,“ schallte Juriis Stimme dumpf zurück; sie erklang aus der Erde, so eigentümlich, wie die eines Toten.
Jurii tastete sich vorsichtig vorwärts. Die Wände waren uneben und feucht, wie in einem tiefen Keller. Abwechselnd hob sich der Boden und senkte sich dann wieder; ein paarmal wäre er beinahe in glitschige Löcher gestürzt. Dann kam ihm der Gedanke, doch noch umzukehren. Er konnte sich ja einfach niedersetzen, sich eine Weile ruhig verhalten, und ihnen dann draußen vorreden, daß er tief hineingegangen wäre.
Aber mit einem Male wurden hinter ihm Schritte, die über den feuchten Lehmboden hinglitten, hörbar; dazwischen unterbrochenes Atmen.
Jurii hob die Kerze über seinen Kopf; er erkannte hinter sich das schöne Mädchen.
„Sinaida Pawlowna!“ rief er erstaunt.
„In höchsteigener Person!“ schallte es von Karssawina lustig zurück und das Kleid aufraffend, übersprang sie eine breite Pfütze.
Jurii durchlief ein angenehmes Gefühl, als er ihre stolze Gestalt neben sich sah; er lächelte glücklich.