„Wovon singt sie?“ fragte Ljalja wieder. Wie unbeabsichtigt fiel ihr Arm mit der Handfläche nach unten auf die Kniee Rjäsanzews. Sie fühlte, wie dieses harte, starke Knie unter ihrer zarten Hand erbebte, und sie wurde froh und erschrak gleichzeitig über diese Bewegung.

„Von der Liebe natürlich!“ erwiderte halb scherzhaft, halb im Ernst Rjäsanzew; er bedeckte sachte Ljaljas Hand, die vertrauensvoll auf seinem Knie lag, mit der seinen.

„In einer solchen Nacht möchte man nicht über Gutes, nicht über Böses nachdenken,“ sprach Lyda vor sich hin und gab damit nur ihren eigenen Gedanken lauten Ausdruck. Sie dachte daran, ob sie gut oder schlecht handle, das bange und verlockende Spiel mit Sarudin zu genießen. Als sie auf sein Gesicht blickte, das im Mondenschein noch hübscher und mannhafter erschien, fühlte sie plötzlich die gleiche bekannte, süße Schwäche, die bange Willenlosigkeit ihr ganzes Wesen durchfluten und mit sich fortreißen.

„Sondern über etwas ganz anderes,“ setzte Iwanow ihre Gedanken fort.

Ssanin lächelte zu diesen Worten, wendete aber seine Augen nicht von der Brust und dem weißen, im Mondenschein schimmernden Halse Karssawinas, die ihm gegenübersaß. Auf den ovalen Ausschnitt ihres Kleides fiel plötzlich ein dunkler Schatten von einer der vorspringenden Uferstellen her; sobald jedoch das Boot, immer den glänzenden Silberstreifen hinter sich, wieder über beleuchtete Wellen glitt, kam es Ssanin vor, als ob dieser Ausschnitt heller, weiter und freier geworden wäre.

Karssawina warf ihren breiten Strohhut beiseite, und während sie ihre Brust noch höher hob, begann sie zu singen; ihre Stimme war hübsch und klar, wenn auch nicht groß.

Es war ein kleinrussisches Volkslied, so weich und traurig, wie all diese Lieder.

„Aeußerst gefühlvoll,“ murmelte Iwanow gähnend.

„Es ist schön,“ sagte Ssanin.

Als Karssawina endete, klatschten alle Beifall; es schallte scharf in den dunklen Wald hinein und den Fluß hinab.