Und gewiß, er konnte ihr vertrauend lauschen. Wie aus den Schatten der Nacht die glänzenden Sterne, die Morgenröthe und der lichte Tag, so werden aus dem Unglück die Freuden geboren und die Tröstungen der Freiheit. Wie der Wanderer in den Thälern der Trübsal die sonnigen Höhen der Befriedigung, wie der Held im Kampfgetümmel die Wonnen des Sieges ahnt, so wähnt sich der Hoffende jeder Gefahr entronnen.

— Jala!

Erst ganz langsam wuchs in Grege die Empfindung, so sicher und herrlich stehe es mit seiner Befreiung doch nicht, wenn er hier auf dem Boden der räuberischen Angelos raste, denn wie solle ihm, dem Fremdling ohne jeden Ausweis, ein volles Recht unter diesem übermüthigen und gewaltthätigen Volke werden? Und wie würde er seinen Weg hinausfinden, aller Mittel entblößt, sich die Gunst der Leute zu erkaufen?

— Jala!

Nun stieg ein Zweifel in ihm auf, der seiner Hoffnung Kraft lieh und sein Siegesbewußtsein zu lodernden Flammen anblies: Muß dieser Boden das Land der Angelos sein? Kann sich der Mann im steuerlosen Fahrzeug, das ein Spiel allen Launen der Winde und magnetischer Strömungen gewesen, nicht im letzten Augenblick noch im Wege getäuscht haben? Möglich war Eins und das Andere, entschieden Nichts.

Also Grund genug zum Zweifeln und kein Grund zum Verzweifeln.

Aus luftiger Höhe gesehen und im Wirbeltanze steuerloser Fahrt, im Her und Hin, im Auf und Nieder der zufälligen Lenkung, wer will die nordischen Länder unterscheiden und eins mit Bestimmtheit nennen? Zwischen Meere von gleicher Farbe gebettet, in Wiederholung der Insel- und Halbinselform sich alle gleichend im Zuschnitt, jedes mit mächtigen Felsen, die starr aufragen in wilder Gebirgsart — —

Grege kam aus dem erwägenden und in Bildern malenden Denken wieder in den Zustand des Traumlebens, Gesicht und Gehör empfingen ferne Bilder, die sich zum vollen Wirklichkeitseindruck verdichteten, während sein Leib unbeweglich auf dem Boden ausgestreckt blieb.

— Grege! Grege!

Es war Jala’s Stimme. Wahrhaftig, sie war’s. Ihr Ruf hallte über Berg und Thal und über das stille Meer. Süß, schmeichelnd, flehend, bebend wie Flötenton.