Nur mit harter Mühe konnte er sich entschließen, die Augen zu öffnen und den Kopf ein wenig zu erheben, mit heftigen Schmerzen im Nacken, als die kitzelnden Betastungen an seiner Nase, seinem Munde und seinen Ohren nicht nachließen. Auch an den inneren Handflächen und zwischen den Fingern hatte er die Empfindung, als ob eine lange leckende Berührung mit einem feinborstigen, nervös warmen Gegenstande von kräftiger Lebendigkeit stattgefunden.
Durch die Lidspalte gewahrte er ganz nahe seinem Gesicht eine mächtige Hundeschnauze. Das heißt: er rieth auf eine Hundeschnauze, denn in Teuta hatte er nie diesen braven Vierfüßler gesehen, in seinem thierfeindlichen Lande war die Bekanntschaft mit dem edlen Thierleben nur aus alten Erzählungen und Bildern zu schöpfen. Teutas alleinseligmachende, unvergleichliche Musterkultur hatte ja alle Hausthiere verbannt und seit Jahrhunderten nur den reinen Staatsmenschen als einzig würdiges Material für die Darlebung der höchsten Vernunft gezüchtet.
Durch die Lidspalte gewahrte Grege jedoch nicht bloß die mächtige Hundeschnauze, sondern auch ein scheinbar unmittelbar der Erde entströmendes vibrirendes Flimmerlicht, das nach der überstandenen so intensiv durchlebten Vision einen schmerzlichen Reiz auf seine Sehnerven ausübte. Erst wie er merkte, daß dieses Licht nicht an etwas Einzelnem haftete, sondern gleichmäßig ausgegossen, wie eine helle Luftschicht über dem Boden schwebte, öffnete er ohne Furcht vor neuen
Visionen und Schmerzen weit das Auge und versuchte, sich emporzurichten.
Fröhlich bellend umsprang ihn der große, zottige, goldbraune Hund. Wie ein Gruß neuen Lebens klang ihm die merkwürdige nie gehörte Stimme. Es lag so viel Aufmunterndes, Liebreiches in diesen schallenden Lauten, eine reizvolle Naturfrische in den Intervallen, daß Grege bis in’s Innerste davon getroffen war.
Der Hund machte noch einmal die tanzenden Bewegungen unter freudigem Gebell, dann stellte er sich straff wie ein Wächter zwischen die Beine Greges und faßte den halbaufgerichteten Fremdling fest in’s Auge.
Grege nickte ihm zu.
— Ja, wer bin ich, mein Thier? Und wer bist Du, daß Du mich so herzlich begrüßt hast? Du nimmst wohl Interesse an dem seltsamen Gast? Oder haben Dich die Angelos geschickt, mich aufzuschnüffeln und zu wecken? Oder schickt Dich Jala mir als Bote?
Der Hund beschnupperte ihn die Brust hinauf bis in’s Gesicht, schüttelte eifrig den buschigen Wedel und begann wieder zu bellen und zu springen, als wollte er sagen: Was weiß ich? Du gefällst mir und das Weitere wird sich finden. Mach’ nur, daß Du endlich vom Fleck kommst, Du langer Schläfer und Faulpelz. Daß ich Deinem guten Geruch vertraue, siehst Du wohl, also vertraue auch mir. Erhebe Dich, komm! Mach’ Sprünge wie ich! Und hinter Dir steht noch Jemand erwartungsvoll, nein, bist Du aber schwerfällig — siehst Du denn nicht?
Den Bewegungen des lustigen Thieres folgend, wendete Grege den Oberleib und blickte rückwärts.