Bevor Grege die neue Situation zu überschauen vermochte, steckte er schon in den warmhüllenden Kleidern, und Maikka stand lächelnd vor ihm, als hätte sie ein Zauber von einem Ufer unverändert zum andern gehoben. Nur ihre Wangen schienen etwas blässer und ihre großen Augen glühten dunkler.
— Und nun rasch in’s wohnliche Gemach, mein tapferer Gast! Ist Alles bereit?
Die Dienerinnen bejahten. Grege wandelte wie im Traum, den lebhaften Schritten Maikkas folgend.
Was war das für eine Welt?
In Teuta gab’s für den Mann vom Jünglingsalter an keinen freien, offenen Verkehr mit dem Weibe. Hier die Männerstadt, dort die Frauenstadt. Die Thore wurden von Staatswegen geschlossen und geöffnet. Nur in der „offenen Zeit“ gab’s Verkehr zwischen Mann und Weib, nach strengen offiziellen Regeln. Auch bei festlichen Aufzügen konnten Männergruppen mit Frauengruppen verkehren, nicht anders jedoch, als nach der Anweisung der Festordner. Sonst im gesammten Leben stand der Mann für sich, das Weib für sich. Die Kinder waren den Weibern zur Aufzucht zugetheilt, bis man sie mit dem fünfzehnten Jahr gleichfalls nach dem Geschlechte trennte.
Grege war aus Teuta entwichen, weil er ein geliebtes Weib für sich, für sich ganz allein, haben wollte. Und weil er nicht heimlich sündigen wollte. Denn das wußte er, heimlich gesündigt wurde in Teuta. Thore thaten sich heimlich auf, die geschlossen sein sollten. Aber es stand Strafe darauf, wenn Einer in der Frauenstadt betroffen wurde, der nicht von Amtswegen dort zu thun hatte.
Und alles Uebrige, was so einengend und häßlich war, und trotz aller Vererbung und Gewöhnung einzelnen Naturen bis auf’s Blut zuwider. Aber was wollten die Ausnahmen gegen die Regel! Und das
Volk pries sich frei und glücklich unter der aufgezwungenen Regel — und sich zu preisen schätzte es nicht als seinen geringsten Stolz, sich zu preisen und zu rühmen als das bevorzugteste Volk der Zivilisation!
Was war das für eine Welt nun, in die Maikka, die Zauberhafte, ihren Gast Grege führte?
In einem Föhrenhain stand das Haus und in dem Hause war ein hohes Gemach, reich geschmückt mit allerlei Bildwerk und entzückend traulich zugleich in all’ seiner Einrichtung. Schönheit, Lust, geistige Kraft — wie schmolz das ineinander und schuf eine Luft, in der die freie Seele athmete wie in einem Himmelreiche!