Grege steht, wie verzaubert, in Erwartung. Aber es rührt sich nichts. In dem hallenartigen Raum, durch mildes, gleichmäßiges Oberlicht erleuchtet, die Wände mit Landschaftsbildern in zarten Farben geschmückt, athmet eine sanfte Stille. Alles umfängt hier den Menschen so weich und innig und doch so bestimmt in verborgener, lebendiger Kraft. Nichts
Flaues, Zugerichtetes, Ausgelebtes, Mechanisches wie in Teuta. Eine tiefe, starke Seele durchzieht Alles. Selbst das Schweigen spricht wie Musik an.
Grege steht immer noch, von all’ den überraschenden Eindrücken erfüllt — aber es fällt kein Wort, es zeigt sich kein Gesicht, ihn aus dem Banne zu erlösen und ihn sich selbst zurückzugeben, daß er sich frei und überlegsam mit der ungewohnten Umgebung in bewegte Harmonie setze, daß er nicht nur empfange, sondern auch aus seiner Persönlichkeit Einiges spende. Er ist doch nicht bloß eine Figur, die man schiebt und richtet und hinstellt, wo ein fremder Wille, und wäre es der freundlichste, sie haben will?
Seine Stirn runzelt sich. Ist das eine Schaustellung, eine Komödie, die sich ein unsichtbares Publikum mit ihm aufgespart hat? War das der Weg, um seiner Natur Freiheit und Würde der Selbstbestimmung zu verschaffen? Mit der Gewaltthat der rohen Angelos ist er fertig geworden, will ihn jetzt die Feinheit der Gastfreundschaft überlisten, daß er selbst in ein fremdes Joch schlüpfe?
Sein Blick gleitet über den zierlich gedeckten Tisch. Zwischen den kunstvoll gearbeiteten Gefäßen prangt ein bunter Strauß — Blumen, so schön und farbenreich, wie er in Teuta noch keine gesehen. Doch was soll ihm das? Eine Handvoll Surros genügte ihm, den Hunger zu stillen. Er selbst war chemischer Künstler genug, sobald er die Rohstoffe und einige zweckmäßige Werkzeuge hatte, sich seine Speise in winziger und doch kraftreicher Form herzustellen. Hier war das Meiste
aus der Hand der Natur, ohne viel Menschenwerk: Früchte, Eier, Säfte, dazu barbarische Sachen, die den Tod von Thieren zur Voraussetzung hatten, unvereinbar mit Teutas strengen Kultursitten. Und warum sollten Teutaschwüre in Nordika nicht gelten, für ihn nicht gelten?
Sein Blick umkreist die Wände. Nirgends die Spur von jenen zahlreichen Apparaten, mit denen man in Teuta umgeben ist, um jederzeit auf dem Wege des Hörens und Sehens sich in jede beliebige Ferne mitzutheilen und von überall her Mittheilungen zu empfangen. Auch auf dem Tische und am Stuhle keinerlei Verständigungsmittel. Unvermögen in mechanischen Künsten wird dies kaum sein, wohl aber berechnete Absicht. Gewiß, auf seiner ersehnten Insel würde er sich auch einrichten ohne verwickelte Maschinerie. Aber hier? Im Lande der magnetischen Zaubermächte? Der leuchtenden Erde?
Grege schloß einen Augenblick die Augen mit der Hand.
Dann fiel sein Blick auf seine neue Kleidung. Ein weiches und doch starkes Gewebe von lichtbrauner Farbe, ungewöhnlich im Schnitt, jedoch nicht unbequem. Die Figur tritt männlicher hervor, in energischeren Umrissen, als in den sack- und mantelartigen Gewändern, welche Teuta’s Staatsweisheit vorschreibt. Aber mit welchem Recht hat man ihm die alten Kleider vorenthalten?
Nichts rührt sich? Warum erscheint Maikka nicht?