— Wär’s möglich, daß Du für die Schmach Deiner Teutaleute selbst so wenig Empfindung hättest?
— Sprich deutlich, ich bitte Dich! Wie soll ich nun plötzlich hier, an Deiner Seite, an Alles denken, was je Schmachvolles daheim in Teutaland geschehen? Sprich, Maikka! Was stürmt hier nicht an unbeschreiblichen Eindrücken auf mich ein — und da soll mir Schmachvolles gegenwärtig sein, das weit hinter mir liegt?
In düsterem Ernst fand ihre Stimme nur tiefe, rauhe Töne, als sie, die Hand auf Grege’s Schulter legend, halblaut hervorstieß: — In Teutaland verhandelt man die Leibesfrucht gegen die Brotfrucht, man frißt seine eigenen Kinder — und spielt den Fleischverächter? Weißt Du, was das für ein Volk bedeutet? Kennst Du den Fluch, den die Natur auf solche Verbrechen setzt?
Grege zuckte zusammen.
— Kein Volk hat Zukunft, das seine Jugend preis giebt oder verschachert. Grege, begreifst Du das nicht?
— Ich beschwöre Dich, Maikka!
Sie hatte jetzt ganz die unheimlich visionäre Art Jalas in Ausdruck und Stimme. Jedes Wort gab Grege einen Stich in’s Herz.
— Beschönige nichts, Grege, bei Deinem Heil! rief sie. — Oder ich muß Dich wie einen Tollen aus meiner Nähe jagen.
Und als Grege sie streng fixirte, mit bebenden Lippen, als suche er vergeblich nach dem rechten Wort, fuhr sie mit wachsender Leidenschaftlichkeit fort: — Das geht durch Eure ganze Geschichte, seit Jahrtausenden. Nie hattet Ihr Respekt vor der Jugend, vor dem eigenen Nachwuchs. Ihr habt sie geistig und körperlich gemartert, wo ihr konntet. Ihr habt sie in den Zeiten des Mittelalters durch Eure blödsinnigen Gelehrten in Schule und Kirche den Alterthümlern überliefert, den Römern und Griechen und Juden und ihrem blutigen Aberwitz, ihre Köpfe entnervt und ihre Seelen belastet und ihre Gemüther verdüstert. Ihr habt sie dann in Kasernen, Zuchthäuser, Fabriken gesperrt, jede heilige Individualität mit Füßen getreten, Jahrhunderte lang sie ausgeschunden um elender Idole willen. Ihr habt sie dem Moloch des Militarismus, des Industrialismus, des Mammonismus zu Hunderttausenden hingeworfen, wie man einem Geier Aas hinwirft — —
— Halt ein, Maikka!