— Ihr habt sie gepeinigt mit jeder denkbaren Pein, mit Verfolgung, Hunger, Noth und Elend in tausend Gestalten, Ihr habt sie als Dünger über alle Erdtheile gestreut, und die armen Mädchen als Weihrauch

auf alle Lasterpfannen gelegt in der Ehe, in der Prostitution, in den — — der Millionenstädte — —

— Bis der große europäische Krach kam und die große Schicksalswende, Maikka. Ich bitte Dich, halte Maaß. Das that man in jenen unseligen Zeiten nicht bei uns allein, das geschah, stärker oder schwächer, fast in allen Ländern Europas. Und wenn die Todten, die die Vergangenheit nicht alle begraben konnte, an die Ufer der neuen Zeit geworfen wurden — sprich, Maikka, welches Völkerhaus hat heute nicht noch seinen Leichnam?

— Du fabelst wieder in Bildern wie ein Poet, trotzdem Ihr in Teutaland keine Poeten duldet. Aber gut, Du sollst Recht haben. Den giftigsten und stinkendsten Leichnam jedoch beherbergt Euer Haus, Teutaland.

— Bei meinem Leben, Maikka! Er soll hinausgeschafft werden!

Sie griff mit beiden Händen nach seinen Schultern, schüttelte sie, bohrte ihren Blick hinauf in sein flammendes Auge: — Das soll ein Held gesprochen haben, Grege. Und nun schnell weiter, weiter, weiter, mich fröstelt im Schatten. Sonne, Sonne, himmlische Sonne! Freie Luft im freien Licht!

Sie waren in einen Hain mit weißschimmernden Birken und jungen Blutbuchen eingetreten, in deren flüsterndem Laub die goldenen Strahlen spielten. Maikka mußte Grege mit sich fortreißen. Denn nun waren in seinem Lockenkopfe die Gedanken rebellisch geworden und in seiner Brust war ein seltsamer Rumor.

Er zwang Maikka zum Stillestehn.

— Bist Du nicht von Deinem ursprünglichen Gedankengang abgewichen, Maikka?

— Nein, nein. Oder gleichviel. Komm’ nur, wir haben schon den rechten Faden gesponnen. Soll ich’s sagen? Dein grimmiges Teuta-Gesicht zuerst und dann Deine Thränen — weiß ich’s? Das hat mich eben erregt und außer mich gebracht. Grege, merk’ Dir’s, mit mir ist nicht zu spaßen!