Mit flammendrothem Gesicht hob Grege den Kopf und sah den Blick des hoheitsvollen Aeltesten streng auf sich gerichtet.
Der Greis lächelte wieder: — Euere Chemiker sollten das Ueberlebte nicht erst verflüchtigen, wenn es zum stinkenden Leichnam geworden. Bei Euch sollten einmal die Jungen statt der Alten am Räderwerke des Staates sitzen.
— Wenn das ginge, sagte Grege tonlos.
— Wenn’s nicht geht, freilich, dann geht’s nicht. Das müßt Ihr wissen.
Der Greis erhob sich, rückte den Stuhl, ließ sich aber nach einem Blick durch’s Fenster wieder auf dem Sitze nieder.
— Wir versäumen nichts, Grege. Der Regen setzt frisch ein. Ich mag jetzt nicht gehen. Vielleicht magst Du noch Eins mit mir plaudern. Zum Beispiel von dem äußeren Bilde Teutas. Davon kann ich mir keine rechte Vorstellung machen. Wie sieht das aus? Ganz verschieden von unserem Land natürlich. Keine Wiesen, Gärten, Felder, rothe Häuser, Weideplätze mit Thieren, Fluten mit Ackerleuten — das Alles nicht. Aber was denn und wie denn? Euere Straßen sind Gänge und Schläuche in der Erde, Euere Seen liegen tausend Klafter tief unter dem Boden, nicht ganz so tief Euere Versammlungssäle, Euere Spielplätze, Euere Werkstätten und Wohnungen — und Alles von unten herauf beleuchtet, von oben herunter schweigend belebt. Ist das so? Hat Euch Euere Gemüthsart so nach unten gewöhnt? So eine Art Nibelheim, ja?
— Ja, so eine Art Nibelheim.
Grege stützte die Arme auf die Knie, legte das Gesicht in beide Hände und murmelte: Nibelheim, Nibelheim.
— Nicht sehr heiter und so weiter, he? Aber es ist Deine Heimath. Sie ist Dir so heilig, wie uns die unserige. Ihre Seele ist Deine Seele. Du trägst sie in Deinem Blut mit Dir. Sie ist in Deinen
Träumen bei Nacht . . . Hab’ ich recht, Grege? Es giebt kein natürlicheres Gefühl als Heimathgefühl. Meine Väter wohnten schon vor fünfhundert Jahren auf diesem Boden.