Er wußte nicht, daß Maikka bereits über seinen Abend verfügt hatte.
Und er war ihr zu Willen und verbrachte die Nacht in Ingeborgs Gartenhaus und „grüßte das Glück“.
Kapitel 18
Da war nichts zu machen: Maikka hatte heute wieder ihren lachhaften Tag. Nichts Ernsthaftes verfing bei ihr, Grege mochte sich anstellen, wie er wollte. Auf seine tiefsinnigsten Fragen nach den letzten Dingen im Leben und Denken, im Schaffen und Schalten hatte sie nur die eine Antwort: Du bist ein Narr — Alles kommt von den Sinnen, und der letzte Grund aller Dinge ist die Freude an sich selber. Was aus der Freudlosigkeit gewalzt wird, ist Blech. Grege, noch einmal, wenn Du mich anmoralisirst und anphilosophirst, so nehme ich all’ meinen Muth zusammen und verachte Dich, Amen.
Und dann brach das Lachen los. Eine ganze Symphonie, ein ganzes Konzert, eine ganze Oper, ein ganzes Musikdrama, eine ganze Weltdichtung in lauter Lachtönen. Und wie sie ein anderes Register zog, da klang’s bald wie ein Choral, bald wie ein Schelmenlied, bald wie Lerchentriller, bald wie Amselruf, bald wie Nachtigallenschluchzen. Und immer neu und immer schön bei aller Tollheit.
Gestern, allerdings, da hatte auch sie mit des Lebens harter Pflicht wacker gekämpft. Zunächst in aller Frühe geschwommen und geturnt mit einigen
Schulschützlingen unterschiedlicher Art, die sie erst zugewiesen erhalten, dann einer Konferenz mit Berufsgenossinnen beigewohnt zur Festsetzung des Arbeitsplanes für die nächste Woche, in der sie sich zum Ausflug an den Fjord mit Grege etwas mehr Freizeit herausschlagen mußte, dann am Nachmittag in der Volkshochschule ihren großen Vortrag über die Betheiligung der Pflanzenwelt an der Gesteinsbildung gehalten mit darauffolgender Demonstration und Besprechung, dann noch Dieses und Jenes, wobei sie ihren ganzen Kopf einzusetzen hatte.
Aber heute blieb ihr der volle Nachmittag und Abend frei. Und für sie gab’s nichts Inhaltsreicheres als das Nichtsthun in der Freiheit. Gast Grege wußte davon zu sagen.
— Du bist jetzt meine Welt- und Selbstschau, rief sie und schleppte ihn auf den Thurm und auf die Fohlenwiese und in den Todtenhain (genannt „Liebesgarten der Abgeschiedenen“, wo die Asche der Abgeschiedenen auf die Beete gestreut wird und ein herrlicher Rosenflor weithin seine Düfte sendet, gleich letzten süßen Liebesgrüßen) und in die unterirdischen Werkstätten (denn alle Hantirungen, die mit störendem Lärm, Gepoche und Gehämmer verbunden waren, mußten abseits von den Häusern in kellerartigen Räumen verrichtet werden, in ganz Nordika) und auf das Rathhaus und in eine Haushaltungsschule, wo es nur so von weißbeschürzten, rothwangigen Mädchen schwirrte.