— Hast Du die Mädchen gern, Grege? Lieber als die Buben? Wie viele könntest Du einmal lieben

von ganzer Seele, sag’? Wie groß ist Euer Herz in Teuta?

Oft fand er auch ein schalkhaftes Wort zur Entgegnung, oft wußte er dem Ansturm des Kobolds gar nicht Stand zu halten.

Merkwürdig war es für ihn, zu beobachten, mit welcher Gewandtheit dieser Neckgeist die Uebergänge in die verschiedensten Gefühls- und Aeußerungsweisen fand, je nach der Umgebung und dem zufällig mehr oder weniger freiwilligen Zuhörerkreis. Ohne Komödie oder erzwungene Heuchelei, völlig aus einem überreichen Anpassungsvermögen heraus und aus lebendigster Schulung. Alles Schroffe und Verletzende war überwunden wie alle lähmende Absichtlichkeit. Diese Nordika-Leute unter sich waren wie ein reingestimmtes Instrument, wo sich Alles zu Akkorden fügt, je nach dem angeschlagenen Grundton, je nach der durchklingenden Tonart. Und wo ja einmal ein Mißton aufzitterte, da antwortete eine kluge Pause, bis es wieder stimmte.

Nur im Umgang mit ihm, dem ausgearteten Teutamann, in welchem so viel Dogmatisches, Verbohrtes, Pathetisches verschlüpft steckte, das nicht auszutreiben war, griff Maikka zuweilen fehl und traf nicht den gesuchten Ton. Da konnte sie dann herrisch aufbrausen und zu Gewaltsamkeiten des Ausdrucks sich fortreißen lassen, daß Grege verblüfft war.

Dankbar fühlte er, wie unendlich viel er von dieser urwüchsigen und doch so verfeinerten Frauennatur lernte. Neue Horizonte eröffnete sie ihm, neue Erkenntnißquellen, davon er in seiner Teuta-Beschränktheit seither

keine Ahnung hatte. Es war ihm ein Geistes- und Herzensfrühling, und wenn er über sich und seine frischaufgeschossenen Pläne und Zukunftshoffnungen nachdachte, stieg er in sich selbst herum wie in einem blühenden Wunder. Jetzt erst glaubte er an sich, an seinen besonderen Beruf, in der Fülle der Klarheit, die in Nordika über ihn gekommen war. In seinen Gedanken fügte sich Lichtpunkt an Lichtpunkt, bis sie sich zu einem hellen Ganzen verbanden, nicht mehr zerrissen, nicht mehr verschwimmend, sondern zusammengehalten wie von einem festen Kern, dessen innere Kraft durchgriff bis zum äußersten Kreis.

Aber lachen, lachen wie Maikka — nein, das würde ihm und seinen Teutaleuten wohl nimmer gelingen. Das setzte Siege über so wesentliche Teuta-Thorheiten voraus, daß noch Generationen daran sich die Zähne ausbeißen mußten. Nur das stand ihm unverrückbar fest, daß der Kampf jetzt begonnen werden mußte, mit einem wuchtigen Schlag. Noch wirbelte Alles gährend durcheinander in seinem Gefühle, wenn er sich all’ die Widerstände und Verwicklungen ohne Ende ausmalte. Doch auch hier wird Rath werden, je näher die Zeit der That rückt. Erst im Angesicht der Ereignisse selbst fallen die besten Entscheidungen. Hinein — und durch!

— Sag’ mir, Maikka, wer sitzt in Nordika über Euch zu Gericht, ich meine, wer entscheidet zum Beispiel über die Bedeutung eines Lehrers oder einer Lehrerin?

— Nun aber die Frage! Darüber kann doch vernünftigerweise nur ein Gericht und kein anderes entscheiden,