— Auf die Mutter selbstverständlich. Der Vater ist gleichgiltig.

— Das will sagen?

— Genau das, daß der Vater gleichgiltig ist. Kinder stehen auf Mutterecht. Zur bestimmten Zeit ziehen bestimmte Jahrgänge von Männern durch bestimmte

Thore — und kehren wieder zurück. Alles Uebrige bleibt den Müttern, wieder bis zu einer bestimmten Zeit.

— Genug, Grege. Tema schüttelt die Ohren und wehrt mit dem Schwanze ab, mag nichts weiter hören. Schau’ Dir die Gegend an. Ehemaliges Sumpfland. Und jetzt! Die blühenden Gärten sind uns nicht über die Grenze geflogen. Schau’ Dir auch die Leute an. Siehst Du einen einzigen häßlichen Menschen?

— Keinen.

— Alles ist, wie’s gemacht wird, Land und Leute. Ich gestatte Dir die Nutzanwendung dieses Satzes. Hott, Tema!

Dann fuhr Maikka fort: — Deine Bemerkung neulich über die schwebende Bevölkerungszahl war zutreffend und gut formulirt. Jedes gesunde Volk muß sein Wachsthum in der Hand behalten. Seine Vermehrung an Ort und Stelle darf über die bestimmte Zahl nicht hinaus. Die Tollheit der verkrachten Staaten des Maschinen-Weltalters war, daß sie sich in’s Blaue hinein vermehrten. Daß sie sich eine Uebervölkerung schufen. Als ob sich mit den überschüssigen Massen auf dem heimischen Boden etwas anderes erzeugen ließe, als Bedrängniß, Elend, Unsinn, Katastrophen. Und dann kamen ihre verdrehten Sozialpolitiker mit ihren einseitigen Systemen und wollten da das rabiat gewordene Leben hineinpressen. Wie diese durch die militärische Drillwuth verdummten Menschen durch ihre ewig fehlgeschlagenen Experimente sich nicht belehren

ließen, daß man mit Massen wohl Kriege führen, aber keine sozialen Probleme lösen könne, ist zum Lachen. Was die unglücklichen Volksmassen, die Vielzuvielen, noch mehr durcheinander brachte, war die sogenannte Presse oder die Zeitungen, von denen täglich ungeheure Ballen verschluckt wurden. Der Aermste las täglich seine Zeitung, sie gehörte zu seiner Mahlzeit, und den Allerärmsten ersetzte sie oft die Mahlzeit. Das war eine ungeheure Verirrung, ein Unsegen, der nicht wenig den Krach der europäischen Zivilisation beschleunigen half. Die Presse nannte sich selbst eine Großmacht, auch wenn nichts groß an ihr war, als ihr Format und ihr gemeiner Unsinn und ihre Lügenhaftigkeit. Sie wirkte wie ein schleichendes Gift. Die wahnbethörten Massen glaubten an die Zeitungen wie an eine Gottheit, obwohl sie sich alle untereinander widersprachen, sich stets in den Haaren lagen und sich der schimpflichsten Dinge bezichtigten. Von diesen Zuständen können wir uns heute kaum eine Vorstellung machen. Die politische Presse ist auch in Europa in dem großen Massengrab der Kulturkadaver mitverscharrt worden. Aber so lange sie da war, sorgte sie dafür, daß sie den Massen unentbehrlich blieb. Die Massen, die Volksmassen! Es ist unheimlich daran zu denken. Millionenweise hockten sie auf dem engsten Raum beieinander . . . Fünf bis zehn Millionen oft in einer einzigen Stadt. Gräßlich. Dazu hatten sie noch die zwei Grundthorheiten: Humanität und Internationalismus. Ihre Humanität bestand darin, daß sie alles Unsinnige, Kranke, Verdorbene, Gefährliche mit ausgesuchter

Schonung und einem fabelhaften Aufwand von Mitteln behandelten, während sie den ehrlichen, gesunden Leuten Luft und Licht und Freiheit nahmen. Und was hatten sie von ihrem Internationalismus? Daß sie sich gegenseitig in die Töpfe guckten, gegenseitig beargwöhnten, gegenseitig belogen, betrogen, bekriegten, sich gegenseitig neue Bedürfnisse und Verlegenheiten anzüchteten, statt daß sie sich in Ruhe ließen, in vornehmer Entfernung blieben und jedes Volk für sich daheim auf eigenem Grund sich begnügte und sein Leben nach seiner eigenen Art organisirte. Durch den Internationalismus ist das örtlich Dumme und Verfehlte über die ganze Erde verbreitet worden, und was als örtlicher Seuchenheerd hätte isolirt bleiben sollen, ist als Weltgift zu allen Völkern geflossen. So mußte aus der Menschheit, die nur in einzelnen reingehaltenen Völkern und Völkergruppen mit genau regulirtem Wachsthum gedeihen kann, ein wüster Mischmasch werden, ein wühlender Krater — der dann in der bekannten Weise eruptiren und Alles zum Bersten bringen mußte. Ist das Alles richtig betont worden in dem neulichen Probevortrag meiner Mitarbeiterin?