— Und merk’ Dir gleich noch dies dazu: Ihr Teutaleute habt Euch an Surrogaten verdorben. In Allem. Nehmt wieder natürliche, starke Kost, so wächst Euch ein natürlicher, starker Geist. Schafft Euch eine neue Küche und neue Köche an. Dann habt Ihr das Schicksal in Eurer Gewalt. Braucht keine slovakische Surrogat-Politik mehr. Das Geheimniß aller Umwälzungen und Neuordnungen liegt in der Küche. Nun, ich würde Euch Surrogat-Menschen einen Küchenzettel schreiben, der sich gewaschen hat: Rohes essen, Quellwasser trinken, und an den hohen Festtagen Blut! . . . Gieb mir die Zügel, Grege, die arme Tema dauert mich . . .
Die Landschaft jenseits der Höhe wurde einförmiger. Der Pflanzenwuchs kümmerlicher. Von Bäumen waren nur noch Birken, Eschen, Erlen und Ebereschen zu sehen. Die Straße führte über moorigen Grund. Selten war ein Gehöft zu entdecken. Hie und da ein Mensch in eigenthümlich langem, grauem Gewand, das den Leib sackartig umhüllte, kaum zu unterscheiden, ob Mann oder Weib.
— Du fragst nicht, Grege?
— Was soll ich fragen? Frage Du für mich. Du hast mich verwöhnt . . . oder verdorben. Du nimmst mir Alles ab. Teufelsweib!
Maikka lachte: — So nimm doch wieder Alles zurück! Du bist die Macht, die durch Herkommen herrschende Macht, mußt mich also bekämpfen. Als Opposition bin ich von Haus aus der schwächere Theil, ich will die Herrschaft erst erringen. Wo hast Du jemals eine Macht gesehen, die sich schwach macht, sich selbst schwach macht . . . hü, Tema! . . . um die Opposition mit gleichen Waffen zu bekämpfen? Du mußt mit Deiner altererbten Gewalt die Opposition aufreiben! . . . Hübsch auf dem gebahnten Wege bleiben, Tema, sonst führst Du die Opposition in den Morast! Frage, Grege, frag’!
Greges Stirnfalte grub sich tiefer. Der fanatische Zug verstärkte sich.
— In Teufelsnamen, Weib, in welche schlimme Gegend führst Du mich?
— Recht so, Grege, die Frage hat wenigstens Lokalfarbe. Das ist die christliche Gegend. Und die wollte ich Dir mit Absicht zeigen. Sie ist interessant genug. Hier haust die letzte christliche Sekte von Nordika, vielleicht von Europa. Und daß wir hier überhaupt fahren und athmen können, ohne Gefahr für unsere Gesundheit, ist ihr Verdienst. Bevor sich die Christen hier niederließen, war das ein tödtliches Fiebersumpfland. Ihre Aufopferung, ihr Fleiß brachten es auf den heutigen Stand. In hundert Jahren werden
wohl hier auch Gärten blühen und Kornfelder wogen und Fruchthaine die Landschaft beleben. Diese Christen nehmen ihren Beruf mit jenem himmlischen Ernst, der an jeden Buchstaben des Evangeliums glaubt. Sie glauben an das Jenseits und bereiten sich darauf vor, wie auf ihre wahre Heimath. Von der Erde und den Menschen begehren sie nichts, als Duldung und die Erlaubniß, sich ihnen nützlich zu erweisen. Sie pflegen die kranke Erde und die kranken Menschen und trösten die Mühseligen und Beladenen, die hilfesuchend zu ihnen kommen. Sie selbst drängen sich Niemand auf.
— Die Mühseligen und Beladenen in Nordika? fragte Grege erstaunt, mit warmer Antheilnahme.