— Gentleman, das ist mal so, Alles was bei uns Mensch heißt, die Polizei eingeschlossen, mit Respekt zu sagen, hat seinen Narren an diesem königlich-kaiserlichen Menschengarten gefressen, zum Ersten, weil er amüsant ist — lacht Ihr gern, Gentleman? es ist zum Wälzen, mein Wort darauf! — zum Zweiten, weil die Welt nicht seines Gleichen hat. Angelos-Idee, kein amerikanischer Humbug, Yankee-Doodle, Gott verdamm’ mich!
— Zur Sache!
Der Wirth schlug die klapperdürren Beine über einander und spuckte seitwärts an die Wand: — Gott verdamm’ mich, wenn ich nicht mitten drin bin in der Sache. Bevor ich Wirth wurde, war ich Leichenschauer, bevor ich Leichenschauer wurde, war ich . . . ich weiß nicht was, aber vorher, Gentleman, war ich einer der respektabelsten Aufseher im Königlich-Kaiserlichen, also in eben diesem Menschengarten. Das verliert sich nicht. Derohalben bleibt ein Mann meiner Kondition mittendrunterdrin,
Gentleman. O, ich habe Sachen gesehen, Thatsachen . . .
— Ist das Alles? Ich danke.
— Nein, das ist noch nichts. Ich verschnaufe nur, die Erinnerung überwältigt mich. Geduld, Gentleman. Wer nicht drin war, weiß sich das nicht zusammen zu reimen. Da sind nun Gegenden in Europa mit mangelhaftem Menschenwuchs. Sehr interessante Rassen, aber sie werden schlechter und schlechter, wegen Unzulänglicher Behandlung, und endlich sterben sie aus, wie der Auerochs, wie das Einhorn, das wir noch im Wappen haben, oder wie der größte Dichter Shakespeare, der bekanntlich niemals gelebt hat. Andere Rassen kreuzen sich aus Verzweiflung oder sonst einer schlechten Laune — nicht alle Völker haben den Humor, wie wir Angelos, oder wie Ihr drüben in Nordika! — Und aus diesen Kreuzungen kommt nichts Feines. Wie also, damit wir die Rassen rein und vollzählig erhalten, in guten Exemplaren, kapabel zur Fortpflanzung, amüsant zum Ansehen und nützlich für den Staat und das Geschäft? Wir sind in Angelland, Gentleman. Wir besitzen ganz Afrika, Asien haben die verdammten Amerikanos in die hohlen Backenzähne gesteckt. Wir besitzen ganz Afrika, und nächstens, wenn wir daheim keine Revolution bekommen oder nachher, nehmen wir ganz Europa, ohne Nordika, selbstverständlich, wasmaßen die Nordikaner unsere besten Freunde sind. Aber das übrige Europa ganz, wir werden’s ausputzen, auflackiren, poliren, präsentabel machen, ertragsfähig. Ein großes Geschäft, würdig unserer Firma. Verstanden,
Gentleman? Wir besitzen ganz Afrika, gut. Die schwarze Rasse ist, ehe wir dazu gekommen, ausgetilgt worden. Es giebt keinen Hottentotten mehr, leider.
— Das bezweifle ich.
— Nein, mein Wort darauf, es giebt keinen mehr, Gentleman. Nicht eine Nasespitze von einem Hottentotten, nicht soviel, daß es zu einem Beefsteak langt. Nicht einmal in unserem Menschengarten. Da sind nun in Europa noch einige brauchbare Italianos, Spaniolen, Hungaren, Bavaren, Juden — und was weiß ich.
— Teutaleute, nicht?