Sein Auge umfing ihren jugendlich-kräftigen Leib mit einem tiefen zärtlichen Blick.
— Die hat andere Ursache, süßes Weib.
— Also folg’ mir bald, Grege.
Dann reichte er ihr noch eine Handvoll Surro in die Tasche, ein Zehrungsmittel seiner eigenen Erfindung, das in Nußgröße die Kraft des Brodes und Weines und die labende Frische der Quelle barg, und ließ sie ziehen.
Er wußte, wie wohl und sicher ihr war, wenn sie uneingeschränkt ihren Willen hatte. Er wußte auch, daß in ihrer Einsamkeit seine Seele mit ihr war.
So legte er sich zur Ruhe nieder. Die Augen fielen ihm zu, das Bild der Wandernden einschließend. Er entschlummerte. Ein lebhaftes Jucken seiner Wunde erweckte ihn, er mußte doch eine geraume Zeit durchschlafen haben.
— Jala wird sich um mich bangen. Ach, die weite Landschaft, endlos! Aber er war so schlaftrunken und in seinen Gliedern erschlafft, daß er sich nicht zu erheben vermochte. Nein, sie hatte recht, Ruhe thut nicht gut. Er wird sich jetzt doppelt anstrengen müssen,
sie einzuholen. Wer weiß, wie groß der Vorsprung ist, den sie bei der ausdauernden Stetigkeit ihres Schrittes vor ihm gewonnen, die rastlose Pilgerin.
Und in Gedanken malte er sich ihr einsames Dahinschreiten aus, ihre hoheitsvolle Haltung in der grenzenlosen Schweigsamkeit dieser unendlichen, sonnenhellen, weißen Landschaft mit der hochgewölbten Himmelskuppel. Eine schwebende Seele, die nur im Banne des Leibes mit der Fußsohle die Erde berührt. Die verkörperte Sehnsucht nach den höchsten Räthseln des Lebens und deren eigenpersönlichster Lösung. Eine wandelnde Flamme mit eigenem Gluthherd, aus sich selbst ihre Nahrung schöpfend zu immer stärkerem Glanze, unfaßbar allem Gemeinen.
— Jala, Jala, ich verbrenne an der Sehnsucht nach Deiner Schönheit, wenn ich länger säume.