Und er schnellte auf, schwang seinen Stab hoch und zwang sich, mit schmerzendem Fuße ihren Spuren zu folgen.
Er erinnerte sich genau aus alten Schilderungen, durch welche seltsamen Gegenden ihn jetzt sein Schicksal führte, die große Befreiung.
Alles in der Welt war seither ein Abstreifen, ein Tiefer-Zwingen, ein Unterdieerdebringen.
Was lag rings unter dem Sande gebettet? Städteleichen über Städteleichen. Für blühende Gemeinwesen haben sie sich gehalten, und ihre Blüthe war eine Wurzelfäule. Ihr Aufstreben war ein maskirter Niedergang. Eine Kraft schlug die andere, eine Kraft fraß die andere.
So wurde immer weniger Kraft, bis sich Alles in platte Gleichheit und Unkraft wandelte und unter den Erdboden kroch. Ein unterirdisches Geschlecht. Ein naturscheues Geschlecht. Was übrig geblieben war von alten Kulturen, Künsten und Herrlichkeiten, eine Kuriosität für die Gaffer, ein Hohnlachen für die Wissenden, ein Spott für die Langeweile der Feiertage.
Aber ihr Gewimmel giebt ihnen die erstickende Macht. Ihre Vielzahl erdrückt den Einzelnen. Da winde sich Einer heraus, wenn ihm Hunderte gleich an den Beinen und Armen hängen!
— Jala, Du freilich bist ein solches Wunder! Du schreitest über Köpfe und Tröpfe weg. Du hast auch mich schreiten gelehrt. Was haben diese Nichtse aus Niemandsland und Niemandsgeschlecht aus mir gemacht, dem Sprossen alter Könige? Heiliger Gott Bimbam, ist’s denn glaublich? Und erst eine Blinde mußte mir die Augen öffnen? Ein Kind Ao’s, des frommen Komödianten, mußte mir Ernst beibringen und Selbstachtung? So oder so, jetzt stell’ ich meinen Mann.
Er vergaß seiner Wunde und der endlos sich dehnenden Länge des gleichförmigen Weges in diesen bald stillen, bald lauten Selbstgesprächen. Er zog die leichte Kapuze tiefer in’s Gesicht, die Sonnenstrahlen abzuwehren, die mit den Reflexen der Sandfläche sich verbündeten, ihn desto heißer zu stechen.
Ermüdet ließ er endlich den Kopf sinken, schloß die Augen und tastete sich mit dem Stabe weiter. Sollte er’s besser haben als Jala, sein Weib, die blinde Seherin? Ueberwindet sie nicht alles Ungemach im Purpurglanze
der Finsterniß, im hellen Muthe des Alleinseins, die starke Pilgerin?