Noch kann ich nicht viel sagen, es wäre verfrüht, schon jetzt über irgend etwas urteilen zu wollen.

Der Dienst ist nicht so schwer wie ich gedacht. Kranke Damen bedienen, ihnen etwas zu essen bringen und sonstige intimere Hilfeleistungen, bei denen sie keine männliche Bedienung brauchen können, ab und zu ein Bad fertig machen und den Damensalon in Ordnung halten, das wären so bis jetzt meine Pflichten. Ob noch andere dazu kommen, muß ich abwarten.

Das einfache schwarze Kleid, das ich trage, habe ich durch einen weißen Kragen etwas freundlicher gestalten müssen.

Ich gebe zu, daß das nötig war, man muß doch leicht kenntlich sein zwischen den vielen Passagieren, aber es hat so was Zofenmäßiges an sich, und das mag ich nicht. —

Meine Kollegin, mit der ich die Kabine teile, ist eine ältere Frau, die Witwe eines früheren I. Offiziers der Gesellschaft. Sie hat vier Kinder großzuziehen, und da sie bei dem Tode ihres Mannes vollständig ohne Mittel zurückgeblieben ist, so hat sie die günstige Gelegenheit benutzt. Sie hat recht, was soll eine Frau anfangen, die nichts weiter gelernt hat als einen Haushalt zu führen, wenn sie in eine derartige Situation gerät? Die Beschäftigung hier kommt der häuslichen am nächsten. —

Und von den weißen Häubchen kann man auch eine andere Auffassung haben. Auch Krankenschwestern tragen Häubchen. —

Ja, ja, Frau Marie hat ganz recht, alles hat seine zwei Seiten. —


Alles hat seine zwei Seiten, das merke ich auch im Dienst.

Ich bin in Trauer um meinen Mann, der kaum zehn Wochen tot ist, aber das hält die Männer nicht ab, mich mit begehrlichen Blicken zu verfolgen.