Aber natürlich ist mir mein Erholungsplätzchen für diese Reise verleidet. —
Wir legen auf – vielmehr das Schiff legt auf —: vier Wochen. Ich könnte mich eigentlich auch ein wenig freuen und im Grunde meines Herzens tue ich es wirklich, denn es ist doch ganz schön, wenn man wieder einmal ganz sich selbst gehört, nur wird diese Auflegezeit wieder ein kleines Loch in meine Ersparnisse reißen.
Ein paar hundert Mark habe ich doch schon zusammen, zum Drübenbleiben langt es aber noch nicht. Und die Gelegenheit, mit einer Dame zu gehen, hat sich noch nicht geboten. —
Ich werde in diesen Wochen allerlei ordnen. Vor allen Dingen muß ich Werners Sachen einmal gut durchsehen. Ich muß mich über mich selbst wundern, daß ich so ruhig sein kann bei diesem Gedanken. Vor einigen Monaten hätte ich nichts anrühren können ohne vor Schmerz zu vergehen. Und nun! Sein liebes Bild rückt in immer weitere Fernen.
Die Zeit ist doch die beste Trösterin. Nie hätte ich geglaubt, als ich mein Haupt verzweiflungsvoll in sein Kissen grub, daß ich einmal wieder so ruhig an ihn denken könnte.
Oder bin ich gar nicht fähig, die rechte Liebe zu empfinden und Treue zu halten? Bald werde ich an mir selbst irre.
Ist ein Weib wirklich ein so sonderbares, unergründliches Geschöpf, wie die Buddhisten sagen?
Sind andere Frauen besser oder sind sie nur klüger?
Es ist totenstill im Hause. Die Wirtsleute sind aus, und ich bin ganz allein. Pit liegt auf meinem Schoß, und ich freue mich der Nähe des kleinen, warmen Geschöpfes.