Wir mußten warten, bis es sich wenigstens ein klein wenig aufgeklärt hatte, um durch die hier stets massenhaft aus- und einfahrenden Schiffe durchzukommen.

Schrecklich ist so eine Verzögerung. Die Passagiere stellen sich dann an, als wäre der Kapitän und die ganze Schiffsbesatzung für das Wetter verantwortlich, und sie verlören durch die kleine Verzögerung mindestens ein halbes Vermögen.

Unangenehm ist das Warten ja, aber am unangenehmsten doch für die am Pier stehenden Angehörigen. Diesesmal speziell für die in Angst und Sorge wartende Mutter der kleinen Elsie.

Sie stand unten, als das Schiff anlegte. Ich hatte das Kind auf dem Arm und lehnte mich an die Reeling. Durch ihr heftiges Winken wurde ich aufmerksam und zeigte der Kleinen die Mutter, doch das Kind schien sie nicht mehr zu kennen.

Der Steg war noch nicht fest, da versuchte die Mutter als erste heraufzulaufen; man hielt sie fest. Der erste Offizier, der am Fallreep stand, hatte Mitleid mit der Ärmsten und holte sie herauf.

Nie werde ich den Schrei vergessen, mit dem sie auf mich zustürzte. Sie wollte mir das Kind aus dem Arm nehmen, brach aber buchstäblich vor meinen Füßen zusammen. —

O, Mutterliebe, du rätselvolles Heiligtum, wirst du auch mir noch aufgehen? — —

Den Bemühungen des Arztes gelang es bald, die junge Frau zur Besinnung zu bringen. Sie saß dann noch ein Stündchen im Damensalon, ihr kleines Mädchen neben sich, und freute sich, es glücklich hier zu haben.

Sie wußte gar nicht, wie sie mir danken sollte, daß ich ihr ihren Liebling gebracht.

Als sie fortging, wollte sie mir etwas geben – Geld – ich habe es nicht genommen. So gern ich Geld verdiene, hier war es mir unmöglich, etwas zu nehmen. Die Frau sah überdies nicht danach aus, als ob sie mit Glücksgütern allzu reichlich gesegnet sei. —