Einige Tage nach Neujahr hat mich der Großvater hierher gebracht. Hier, bei Frau Martin, soll ich bleiben bis Anfang März, dann komme ich in die Entbindungsanstalt, die hier in der Stadt ist. Was dann mit mir werden soll, wenn alles vorüber ist, ich weiß es nicht. Mir ist unsäglich bange.

Als der Großvater von mir ging, meinte ich, das Herz müßte mir brechen vor Weh. Und vergebens versuchte er mich zu trösten. Ihm selbst war auch gar weh ums Herz, denn kaum konnte er sprechen vor Rührung.

Großmutter soll mich bald besuchen. — — —

Nun bin ich allein.

Ich habe ein ganz einfaches, sauberes Stübchen. Frau Martin, bei der ich wohne, ist die Witwe eines Beamten und lebt in ziemlich beschränkten Verhältnissen. Sie ist vom Großvater wohl in meine Geschichte eingeweiht worden, sie quält mich nicht mit Fragen. Sie ist lieb und gut zu mir und tröstet mich, wenn mich das Heimweh gar zu sehr packt.

Ich helfe ihr ein wenig in der kleinen Wirtschaft, dann vergesse ich wenigstens für kurze Zeit meinen Kummer.

Was soll ich auch immer tun?

Ich habe so viel überflüssige Zeit zum Denken.

Ich schreibe Briefe an Rudolph, ohne je einen abzusenden.

Und nun habe ich mir sogar ein Tagebuch gekauft, obgleich ich sonst nicht für solch überflüssigen Kram bin. Tagebücher und Poesiealbums waren mir immer greulich. —