Ich wollte an Rudolph schreiben und wurde zu meinem Schrecken gewahr, daß ich nicht einmal seine Adresse wußte. Den Namen seines väterlichen Gutes wußte ich, aber wo lag es?

Oder war Rudolph schon wieder in Neuhof?

Die Großeltern wagte ich gar nicht zu fragen. Hätten sie mich doch gescholten, ich glaube, mir wäre wohler gewesen. Diese schweigende Güte erdrückte mich.

Am Ende der Woche reiste der Großvater nach E. Großmutter sagte mir, daß er eine Pension für mich suchen wolle; hier könne ich nicht bleiben, weil die Försterei zu einsam im Walde liege. — —

Eigentlich ist es gar keine Försterei, es ist ein Jagdhaus, das einst ein Vorfahr des jetzigen Herzogs für seine Geliebte erbaut hat. Wenn der Herzog im Sommer auf Schloß Ringhardt residierte, dann wollte er sie immer in der Nähe haben. Nach Schloß Ringhardt durfte er sie nicht bringen, dort wohnte seine Mutter, so baute er ihr mitten im Walde, dreiviertel Stunden entfernt von Schloß Ringhardt, das Jagdschloß Finsterberg.

Es ist ein zweistöckiges Gebäude mit weit vorspringendem Dach und kleinen, bleigefaßten Fensterscheiben.

Im Untergeschoß wohnte jeweilig ein Förster, zu dessen Obliegenheiten es gehörte, die oberen Räume in Ordnung zu halten. — —

Jene Zeiten sind lange vorbei. Es wohnt keine geheimnisvolle Unbekannte mehr da oben, und auf der schönen Chaussee, die damals angelegt wurde, klingt selten der Hufschlag eines Vollblutes. — — —

Weihnachten durfte ich noch bei den Großeltern bleiben, doch es war ein trauriges Fest; keines von uns dreien hatte Mut und Lust zur lauten Freude. Lautlos, als läge ein Toter im Hause, gingen wir aneinander hin.

Es lag wie ein Bann über uns allen. — — —