Und dann erfuhr ich den Grund von Großmutters Kommen.

Rosine hatte ihr geschrieben: Sie habe schon den ganzen Sommer bemerkt, daß der Windhund, der Schönewald, hinter mir hergelaufen sei, und sie habe längst bemerkt, daß nicht mehr alles mit mir in Ordnung sei. — —

»Erzähle, Kind, alles Weinen hilft nun nichts mehr, und verheimlichen läßt es sich auch nicht,« sagte die Großmutter.

Ich erzählte. Die Großmutter saß ganz still. Sie sah so gramvoll vor sich nieder, daß ich hätte laut aufschreien können.

Als ich geendet, nickte sie einige Male still vor sich hin, dann löste ein Seufzer die beklommene Stille, und Großmutter sagte:

»Du gehst heut' abend mit mir, Lottchen. Mach' einstweilen deine Sachen fertig, ich werde mit dem Vater sprechen, was später wird, das müssen wir noch sehen.«

Was dann da unten über mich verhandelt wurde, ich weiß es nicht. Oft drang die scheltende Stimme des Vaters zu mir herauf, aber auch die sonst so sanfte Stimme der Großmutter war seltsam hart und klar.

Am andern Tage war ich in der Försterei. Der tiefe Friede, der um das liebe, alte Haus lag, tat mir wohl. Der Waldbach, der durch den Garten rauschte, sang mir sein wundersames Lied. Ich fühlte mich geborgen.

Nach einigen Tagen erwartete ich, daß der Großvater oder die Großmutter mit mir sprechen, vielleicht mit mir schelten würden. Doch nichts von alledem geschah. Der Großvater sagte gar nichts. – Nur schien mir, sein Gang sei noch gebückter und sein Haar noch weißer geworden. — —

Was würde aus mir werden?