Ich war sehr jung, sehr verliebt, und die Sommernächte waren schwül und voller Düfte. — —
Der Sommer ist hin und mit ihm meine rosenrote, geheimnisvolle Verliebtheit. — —
In den ersten Oktobertagen kam eine Depesche an Rudolph, daß sein Vater plötzlich sehr schwer erkrankt sei; er müsse sofort nach Hause kommen.
Wir konnten kaum Abschied nehmen, so rasch ging alles. Ich war ganz unglücklich. Kam er wieder, ehe ich fortging? Würde ich ihn noch einmal sehen, ehe ich in ein Pensionat kam?
Ich war überhaupt in einer ganz schrecklichen Stimmung. Schon seit einigen Wochen fühlte ich mich gar nicht besonders wohl. Mir war oft so übel des Morgens, daß ich kaum den Kopf erheben konnte.
Am liebsten wäre ich jetzt hier geblieben. So sehr ich mich Ostern auf die Pension gefreut hatte, jetzt hatte ich gar kein Verlangen mehr danach. Rosine war auch gar nicht gut zu mir, den ganzen Tag schalt sie mit mir herum. Am liebsten wäre ich zur Großmutter gegangen.
Da, am zweiten Sonntag nach Rudolphs Abreise, kam plötzlich ganz unerwartet die Großmutter.
Ich weiß nicht, mir war seltsam beklommen, als sie mir in die Augen sah. Das gütige, alte Gesicht sah so kummervoll auf mich.
»Kind, Kind, was hast du getan,« sagte sie dann weinend.
Ich konnte nicht antworten, ich weinte mit; obgleich ich gar nicht wußte worüber. Mir war nur plötzlich so bange, so seltsam ahnungsvoll zumute.