»Wo bist du gewesen, Lotte? Warum bist du die ganzen Tage nicht einmal herausgekommen?« fragte er.
Ich hob die Augen und sah ihm ins Gesicht. Doch da stand nichts als ein leichtes Verwundern über mein ihm unerklärliches Fernbleiben. War es denn möglich! War das, was mich bis ins Innerste aufgerüttelt, für ihn gar nichts?
Ich war eine andere seit jener Stunde, und er?
Ich wußte nicht, was ich sagen sollte und stammelte: »Ich – ich schämte mich.«
»Du bist mein kleines Schäfchen,« sagte er lachend und schloß mich in die Arme. »Komm, laß uns noch ein wenig weitergehen.«
Wir trafen uns nun täglich und – bald schämte ich mich nicht mehr. — —
Alles wird zur Gewohnheit, und Rudolph verstand es, meine Gewissensbisse und Selbstvorwürfe einzuschläfern.
Liebten wir uns denn nicht?
Wen ging es etwas an, wenn wir die heimliche Süßigkeit der Liebe auskosteten?
»Wenn ich noch einige Jahre älter bin, wenn ich ausgelernt habe und vom Militär frei bin, dann wirst du ja doch meine Frau, meine süße, kleine Frau!«