Gestern abend hatten wir ein tragikomisches Erlebnis in der zweiten Kajüte. Im zweiten Salon war Konzert; ich ging über den Vorplatz, um noch einige Minuten auf Deck zu gehen; da wurde gerade der Brautchor aus Lohengrin gespielt.
Ich blieb an der Treppe stehen und hörte zu. Da kam eine Dame aus dem Salon und verwickelte mich in ein Gespräch; wir setzten uns auf das Sofa und plauderten immer weiter.
Im Salon wurde mittlerweile ein Gassenhauer oder so etwas Ähnliches gespielt, bei dem die Musiker mitsangen. Am Schluß kam immer der Refrain: Aujust, sollst mal runter kommen! Aujust! Aujust! —
Neben dem Salon am Fuße der Treppe liegt auf der Backbordseite die Herrentoilette. —
In dem Augenblick als im Salon das Singen aufhörte, flog die Tür zur Toilette auf; der Rechtsanwalt, notdürftig sein Beinkleid mit den Händen haltend, stürzt angsterfüllt einige Stufen die Treppe herauf auf uns zu und stammelt: »Feuer? Feuer im Schiff?« Dann brach er zusammen.
Im ersten Augenblick verstand ich nicht, was los war, dann begriff ich den Zusammenhang. —
Aujust – Feuer. So hatte er mißverstanden.
Der arme Kerl, er schämte sich hernach seiner Furcht, und am andern Tage war er ganz krank, er hatte einen richtigen Nervenchock gehabt. Der Vorfall kam auch vor den Kapitän, und in Zukunft dürfen solche Sachen nicht mehr gespielt werden. Obgleich die Passagiere, wenn sie in Stimmung sind, immer gerade diesen Blödsinn haben wollen. — —