»Und daß ich nach Woher und Wohin fragen könnte, daran denken Sie wohl nicht? Leiden Sie auch an der allgemein verbreiteten Einbildung der Herren, wonach ein Weib froh sein muß, wenn ein Mann es begehrt?«
»Aber, teure Frau, Sie tun mir unrecht. Im Gegenteil, ich würde es als ein ganz unerhörtes Glück betrachten, wenn Sie mich nur ein wenig, ein ganz klein wenig lieben könnten. Und alles, was Sie über meine Person wissen müssen, das sollen Sie erfahren.
Ich bin kein Mann von vielen Worten, aber das muß ich Ihnen sagen: vom ersten Sehen an stand es bei mir fest: Die soll es sein. – Ich glaube, Sie können ein guter Kamerad sein, Frau Lotti! Nicht wahr?«
Ich stand wortlos da.
Was sollte ich sagen? Hier war Erlösung aus dem jetzigen Verhältnis. Aber – noch liebte ich diesen Mann nicht, so sehr ich mich auch auf ihn gefreut hatte. Noch liebte ich ihn nicht, das war mir klar. Er ist mir sehr sympathisch, er hat ein schönes Organ, und überhaupt sein ganzes Wesen ist mir überaus angenehm.
Er ist nicht hübsch, kein sogenannter schöner Mann. Aber das ist auch nicht nötig; meist sind schöne Männer unausstehlich eitel. —
»Haben Sie keine Antwort für mich, Frau Lotti?« fragte die Stimme neben mir.
»Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Geben Sie mir Zeit. Und dann – Sie wissen, daß mein Mann erst seit elf Monaten tot ist, ich habe ihn sehr geliebt.«
»Ich weiß es. Ich bin nicht eifersüchtig auf den Toten. Ich gönne ihm gern Ihr schmerzliches Gedenken. Sie selbst aber gehören dem Leben, dem roten, leuchtenden, vollpulsierenden Leben.«
Er griff nach meiner schlaff herniederhängenden Hand und drückte einen feurigen Kuß darauf.