Den 20. Februar.

Ich glaube, es war doch Unsinn, daß ich mir ein Tagebuch gekauft habe. Manchmal abends, wenn ich es öffne und hineinschreiben will, dann weiß ich nichts. Ich kann doch nicht bloß hineinschreiben, was ich den Tag über esse und trinke! Und sonst erlebe ich ganz und gar nichts. In die Stadt bin ich noch nicht einmal gekommen. Wenn ich abends im Dunkeln spazieren gehe, suche ich immer die Anlagen auf, die hierhinaus liegen. Da begegne ich fast nie einem Menschen.

Am 1. März soll ich wahrscheinlich schon in die Anstalt. Der Arzt kommt morgen und untersucht mich, dann wird er sagen, wann ich hinkommen soll. Wenn alles vorüber ist, bleibe ich noch einige Wochen bei Frau Martin, bis ich mich wieder ganz erholt habe.

Wenn ich nur wüßte, was dann aus mir werden soll! — —


Den 22. Februar.

Ich darf noch acht Tage länger bei Frau Martin bleiben. Gestern war der Doktor hier, es war gräßlich! Ich habe mich so geschämt. Aber als ich mich nicht anfassen lassen wollte, wurde er grob. Er ist ein widerlicher Kerl mit wässerigen Schellfischaugen, ich mag ihn gar nicht. Hoffentlich ist er gerade krank, wenn es so weit mit mir ist, und es ist ein anderer da.

Überhaupt fand ich es häßlich von ihm, gleich so grob zu mir zu sein. Das kann er sich doch denken, daß man sich schämt! Er ist doch ein Mann.

Ob es wohl sehr schlimm ist? Es soll sehr wehe tun. Maria Rettberg sagte es einmal, als wir noch zu Fräulein Fischer gingen. Ihre große Schwester hatte ein Baby, und da hatte sie hinter der Portiere versteckt zugehört, wie die es ihrer Freundin erzählt hatte. Sie wäre beinahe gestorben.

Aber ich will nicht sterben! Ich bin noch so jung. — — —