VI.
Im sichern Hafen.
In der kleinen evangelischen Kirche auf dem Berge sind wir getraut. Nach der Trauung sind wir alle – Kapitän Heymann, Pastor Morris, seine Frau und wir beide – nach New York gefahren, wo Mr. Siegel, vielmehr mein Mann, im Astoria ein exquisites kleines Diner bestellt hatte. Wir waren recht vergnügt zusammen, und Kapitän Heymann hielt sogar noch eine launige Rede, in der er bedauerte, daß er nicht jede Reise eine junge, hübsche Stewardeß zu verheiraten habe. —
Ich fürchte nur, es wird auch nicht oft einen Mr. Siegel geben. —
Nach dem Essen, als wir allein waren, bat ich meinen Mann, noch eine kleine Ausfahrt mit mir zu machen. —
Ich bin mir selbst nicht klar über das, was in mir vorging.
Ein beinahe krankhaftes Verlangen beherrschte mich, jenes Haus einmal wiederzusehen.
Wie es den Verbrecher unwiderstehlich an den Ort seiner Schandtat treibt, so geht es mir mit jenem Hause.
Langsam fuhren wir am Broadway hinauf, durch den Centralpark und die fünfte Avenue wieder herunter.
Aufmerksam habe ich jedes Haus geprüft, ich konnte es nicht finden. Manchmal meinte ich wohl, das muß es sein, dann wurde ich wieder irre. Alle Häuser haben Fenster, und ich meine, dieser Kerker habe nach der Straße zu keine Fenster gehabt. —