Chikago, den 28. Oktober.

Mein Gatte muß doch reicher sein als ich gedacht. Das »kleine Häuschen«, das er nach seiner Rückkehr von Europa gekauft, ist ein ganz stattlicher Bau und liegt in einem prachtvollen, alten Garten am Lake Shore Drive. Das Haus hat früher einem reichen Schweinezüchter gehört, und mein Mann hat es hauptsächlich meinetwegen gekauft, da ihm sein altes Haus an Sheridan Road nicht hübsch genug war.

Ich bin ihm sehr dankbar, wir leben in glücklichster Gemeinschaft und kein Schatten trübt unser Leben.

Ich will ihm eine treue und gute Gefährtin sein. Nie soll er empfinden, daß nicht mein volles Herz ihm gehört. —


Ich habe dich lange nicht in Händen gehabt, kleines Buch. Mein Leben läuft so glatt und ereignislos dahin, daß ich kaum etwas aufzuzeichnen habe. Ich lebe, wie eine Amerikanerin der besseren Stände lebt. —

Mit meinem Manne verbindet mich innigste Freundschaft.

Er bespricht alles mit mir und freut sich, daß ich seinem Wirken und Schaffen so lebhaftes Interesse entgegenbringe. —

Und mir wiederum macht es Freude, daß ich teilhaben darf an seiner Arbeit. —

Trotzdem bin ich nicht voll befriedigt, ich habe noch zu viel unausgefüllte Zeit.