Dienstag, den 28. Mai sind wir mit der »Spree« von New York abgefahren. Mein Mann hat ein hübsches Pullmanset für uns belegt, und wir sind ganz begeistert von der Bequemlichkeit und Eleganz der Einrichtung. Man merkt kaum, daß man auf See ist.
Lou ist ganz und gar aus dem Häuschen. Ihr Vater erfreut sich, glaub' ich, zum ersten Male vollkommen ohne irgendwelche Ablenkung an ihrer frischen, kindlichen Heiterkeit.
Ich finde, er erholt sich schon jetzt von Tag zu Tag.
Mir selbst geht es sonderbar. Von der ersten Stunde an, da ich das Schiff betrat, ist mir so sonderbar unruhig zu Sinn.
Ich suche etwas und weiß nicht was. —
Gleich am ersten Abend bin ich ein Stündchen auf Deck gewesen.
Wie wunderbar ist die reine, salzige Luft! Welch wunderbare Farben verglimmen am Horizont und wecken tausend Erinnerungen, süße und schmerzliche, in meiner Brust!
Sonnenuntergang! Der ganze Horizont ist von einem satten, tiefen Rot. Der Himmel scheint wie ein einziger großer ausgehöhlter Rubin über uns zu hängen.
Das Wasser ist so ruhig wie ein See, nur hie und da tanzen rotgoldene Lichter; gibt es Schöneres?
Doch alles Schöne ist vergänglich. Kaum eine halbe Stunde, und grau und fahl, gespensterhaft liegt die unabsehbare Fläche vor mir. —