Er ist gar nicht mein rechter Vater. Mein Vater ist ein ganz hoher Herr, der mein Mütterchen nicht hat heiraten dürfen, weil sie nur ein armes Bürgermädchen gewesen ist.
Damit ich aber nicht als uneheliches Kind geboren wurde, hat die Mutter Georg Albrecht geheiratet. Dafür hat er die Pachtung der Domäne Neuhof sehr billig bekommen. Für mich selbst ist eine Summe von 50 000 Mark deponiert worden, von der er bis zu meiner Großjährigkeit die Nutznießung gehabt hätte.
Und nun? Alles ist fort! Der Vater hat schon lange keine Pacht mehr bezahlt, immer ist sie ihm wieder gestundet worden, und jetzt ist es herausgekommen, daß er auch mein Geld durchgebracht hat. Alles mit leichtsinnigen Weibern in Champagner umgesetzt. So geht es mir nun. Weil der Vater mein Geld mit leichtsinnigen Weibern durchgebracht hat, kann Rudolph mich nicht heiraten. Denn hätte ich die 50 000 Mark, dann wäre ich eine reiche Frau.
Aber bin ich denn überhaupt traurig, daß Rudolph mich nicht haben will? Eigentlich nicht! Wenn ich es mir recht überlege, dann fühle ich mich eher erleichtert bei dem Gedanken. Wenn ich nur erst wüßte, was aus mir werden soll! Ein anderer Mann wird mich auch nicht wollen, denn ich glaube, die Leute hier wissen doch alles. Und überhaupt, ich will auch gar keinen haben, die Männer sind alle schlecht! Alle! Nur Großvater ist gut! —
Ich will etwas lernen, dann brauch' ich keinen Mann zu heiraten. — —
Ob ich Großmutter mal frage, ob mein Kind wirklich tot ist?
Warum mir nur so sonderbar ist, wenn ich daran denke. Ich habe doch in meiner Ohnmacht, in der halben Bewußtlosigkeit das Schreien eines Kindes gehört! — —
Mein Haar wächst wieder! Ich fühle mich mit jedem Tage wohler. — — —
Ich bin glücklich! Gerade, wenn man keinen Ausweg sieht, kommt manchmal von einer Seite, an die man am wenigsten gedacht, die rettende Hand. —