Ich glaube, wenn ich nicht so furchtbar viel durchgemacht hätte mit den Männern – ich meine mit Rudolph – so könnte ich ihn vielleicht liebhaben, aber so! Nein! Ich werde niemals wieder einen Mann lieben. — — —


Mr. Smith – so heißt der Neffe – gibt sich sehr viel Mühe mit mir. Er will mich Englisch lehren. Die paar Brocken, die ich bei Fräulein Fischer gelernt habe, die helfen mir gar nichts.

An Deck haben wir immer viel Spaß. Wenn wir in den Stühlen liegen, kommt zuweilen der Kapitän und fragt, ob wir auch gut zugedeckt seien oder ob er den vierten Offizier schicken solle, damit er den Damen die Füße schön einwickele. Dann gibt es immer großes Gelächter. — — — —


Den 2., abends.

Endlich haben wir das lange prophezeite schlechte Wetter. Heut' gegen Abend waren wir auf der Brücke; es sah wunderschön aus, wenn das Wasser vorn über Deck kam und sogar bis zu uns heraufspritzte. Herr Smith ist sehr aufmerksam, stets ist er in meiner Nähe. Heute früh saß er im Stuhl neben mir – seine Tante war im Damenzimmer, da sie sich nicht besonders wohl fühlte. Er hat mir so viel dummes Zeug vorgeschwatzt. Er sagt, ich sei sehr schön – ob das wohl wahr ist? – Er ist der einzige Erbe seiner Tante, die sehr reich ist, und kann seiner Frau jeden Wunsch erfüllen. Und wenn er eine so schöne Frau hätte, wie ich, so würde er sie in Samt und Seide kleiden, das muß fein sein. – Und Geld braucht sie gar nicht zu haben, er hat nicht nötig, darauf zu sehen.

Wenn ich dagegen an Rudolph denke! Jetzt könnte ich mich schon rächen. Wenn ich Mr. Smith heiratete, so könnte ich schon nächstes Jahr wieder zu Besuch nach Hause reisen, und dann könnte ich Rudolph zeigen, daß ich auch ohne Geld einen reichen und hübschen Mann bekommen habe. – Denn hübsch ist Herr Smith, hübscher als Rudolph. Aber ich liebe ihn nicht, kann ihn also auch nicht heiraten. Das habe ich ihm auch gesagt.

Er war sehr traurig – und da tat er mir wieder leid. — —