Ich bin mit einer Dame zusammen im Zimmer, einer Amerikanerin. Das heißt, eigentlich ist sie aus Wien, aber sie ist schon sehr lange in Amerika. Sie fährt jedes Jahr zweimal nach Europa. Ich glaube, sie ist sehr reich. Sie hat die ganzen Hände voll feiner Ringe. Mit mir ist sie sehr freundlich und gibt mir allerlei gute Ratschläge.

Hübsch ist sie nicht, aber sehr fein; sie hat so feine Nachthemden, wie ich noch gar keine gesehen habe. — —


Donnerstag, den 30.

Heute ist schlechtes Wetter, tüchtig Wind und Regen. Gegen Abend wurde es sogar sehr stürmisch – nach unsrer Ansicht.

Zum Mittagessen lag schon alles krank. An unserem Tisch waren nur ganz wenige erschienen, und während des Essens verschwanden auch die noch zum Teil sehr rasch. Es war mir auch ein wenig sonderbar, ich hab' aber doch gut gegessen, nur keinen Fisch, der Geruch war mir zu widerlich.

Ich bin gestern abend erst um elf Uhr zu Bett gegangen, habe dann aber ganz fein geschlafen.


Den 1. Juni.

Heute war das Wetter wieder schön; den ganzen Tag sehr ruhig, und trotzdem sind noch Einige seekrank. Mir schmeckt jetzt wieder alles. Heute nachmittag zwischen vier und fünf Uhr fuhr auch ein Dampfer an uns vorbei, nach Hause zu. Mir war ein klein wenig sonderbar zumute, ob es wohl Heimweh ist? Ich habe recht nette Gesellschaft gefunden. Meine Zimmergenossin – Frau Fröhlich heißt sie – hat einen Neffen mit an Bord; gleich am ersten Tage hat sie ihn mir vorgestellt. Er sieht sehr gut aus, und ich glaube, er mag mich auch gern, denn er ist immer um mich herum.