Da öffnete sich geräuschlos die Klappe, ein verwittertes Gesicht mit scharfen, stechenden Augen wurde einen Augenblick sichtbar, dann, ehe ich noch ein Wort sagen konnte, hatte sich die Öffnung schon wieder geschlossen.

»Lassen Sie mich einmal klopfen,« flüsterte mein Begleiter, »dieser Tsung Lee ist vorsichtig. Er hat sofort gemerkt, daß Sie ein Fremder sind.«

Ich trat zurück und ließ ihn vortreten.

Ein kurzes, dreimal wiederholtes Klopfen wurde hörbar, die Klappe flog auf, einige leise geflüsterte Worte trafen mein Ohr, dann bewegte sich die schwere Tür lautlos in ihren Angeln und wir traten ein. Wir standen in einem Raum, in dem ich im ersten Augenblick gar nichts unterscheiden konnte. Ein ungewisses Dämmer herrschte, und ich hörte nirgends einen Laut. —

»Sie scheinen uns noch nicht recht zu trauen,« flüsterte mein Begleiter. »Man ist hier sehr vorsichtig. Dafür bieten diese Häuser aber auch, was man an keinem Platze der Welt schöner haben kann. Hier findet jeder seine Rechnung. Sogar der — —«

Ein Geräusch ließ ihn verstummen. Wir drehten uns nach der Seite, ein blaßgrüner Vorhang ging auseinander, und dahinter, auf schwellendem Diwan, wie aus der Erde gestiegen, lag, von rosigem Licht umflossen ein Weib, vielmehr ein Kind noch, und streckte die Arme nach uns aus. Ich wollte darauf zutreten um mit dem Kinde zu sprechen, mein Begleiter hielt mich zurück.

»Warten,« flüsterte er, »es kommt noch besser.«

Und es kam besser. —

Die armen Wesen! Ich bin gewiß, nicht ein einziges von all den armen Kindern hat gewußt, was man mit ihm vorhatte, wohin man es bringen würde. Das alte Lied, das alte Leid. —

Wir verließen das Haus auf einem anderen Wege, nicht ohne vorher fünfzig Dollars für den Besuch bezahlt zu haben.