Und ist es anderseits nicht wieder eine sehr einseitige Auffassung der Herren, daß auf Kosten ihres Wohlbefindens, auf Kosten ihrer Genußsucht, die andere Hälfte der Menschheit Opfer bringen muß? Wer fragt die unverheiratete Frau danach, ob sie geschlechtlichen Verkehr nötig hat?
Im Gegenteil, sie ist verfemt, ausgestoßen aus der Gesellschaft, wenn sie ihren Sinnen gehorcht.
Und hat doch nur dasselbe getan, wozu der Mann volle Berechtigung hat. —
Aber angenommen, man könnte wirklich nicht ohne öffentliche Häuser auskommen – was ich, wie gesagt, bestreite – so wäre es immerhin das Beste und meiner Meinung nach einzig Richtige, wenn sie verstaatlicht würden.
Man komme nicht mit Einwänden, daß es nicht geht. Es geht alles! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. —
Natürlich müßten internationale Abkommen getroffen werden, deren wir ja auf allen anderen Gebieten übergenug haben.
Nur auf diesem Gebiet, wo es sich um die Frau handelt, um die eigentliche Trägerin der Zukunft, da ist man lässig.
Würden alle, aber auch alle derartigen Pesthöhlen plötzlich aufgehoben, und diejenigen, die freiwillig ihren Körper den Lüsten des Mannes zur Verfügung stellen wollen, in staatlich verwaltete Häuser gesteckt, wo es keinen Sekt, sondern nur alkoholfreie Getränke geben dürfte, man würde staunen, wie sehr die Unsittlichkeit abnehmen würde.
Hier allein wäre der Weg für die Regierungen, um Abhilfe zu schaffen. Dem Mädchenhandel wäre damit ein für allemal der Nährboden entzogen.
Warum wird dieser Weg nicht beschritten?