Ich ging mit meiner Führerin eine schöne, breite Treppe hinunter – ich war also in meinem gestrigen Zustand die Treppe hinauf getragen worden – dann trat sie mit mir in einen Salon, der, nach meiner Berechnung, in entgegengesetzter Richtung von dem Eingang liegen mußte.
Ein merkwürdiges Haus. Auch hier brannten wieder die elektrischen Flammen. Anscheinend war gerade eine größere Gesellschaft. Im Zimmer saßen elegante Damen und Herren. —
Und fein war es hier, überall standen bequeme Sofas und Tischchen. – Lauschige Ecken, schwellende Polster; kurz und gut, ich kam mir vor wie im Märchen.
Meine Führerin, deren Namen ich noch nicht einmal wußte, stellte mich mit den Worten vor: »Meine Herrschaften, hier bringe ich Ihnen Fräulein Lotti. Gestern erst frisch von Europa angekommen.«
Das war ja eine sonderbare Sitte hier in diesem Lande. Aber alle schienen das in der Ordnung zu finden. Alle lachten und schwatzten durcheinander. Einige kamen auf mich zu und sprachen einige Worte mit mir. Doch ich verstand sehr wenig, sie sprachen fast alle englisch.
Ich war ganz verlegen. Ich setzte mich auf ein Sofa in der Nähe der Tür.
Bald setzte sich ein Herr zu mir, ein kleiner, dicker Kerl mit einer Glatze und vorstehenden, wässerigen Augen.
Ein ganz frecher Patron! Setzte sich sofort zu mir auf das Sofa, ganz dicht an mich heran.
Ich rückte von ihm ab, da lachte er so widerlich und sagte:
»Na, Kleine! Noch so spröde? Wird bald besser. Komm, wir trinken ein Fläschchen zusammen. Dann gibt's Mut.«