»Du bist ein kleines Schäfchen,« lachte sie mich aus. »Das ist bei mir zu spät. Ich habe dies Leben schon zu lange gelebt. – Und – ich will auch nichts anderes mehr. Wir werden ja sehen, vielleicht geht es dir eines Tages ebenso.«

»Nein, o nein. Ich will hier nicht bleiben, lieber sterben,« rief ich verzweifelt.

»Na, na, nur ruhig, Kleines. Ich gebe dir einen guten Rat: Lerne vor allen Dingen Englisch, das ist die Hauptsache. Dann sauf' nicht zu viel, das ist auch 'ne Hauptsache. Dann halte die Augen gut offen, möglich, daß mal einer kommt, der so viel Gefallen an dir findet, daß er dich auskauft. Alles schon dagewesen. Und hübsch bist du ja, das muß dir der Neid lassen. Du hast so was Besonderes, so was Vornehmes an dir. Vielleicht hast du Glück.«

Ich faßte wieder Hoffnung. Ich war dem Mädchen so dankbar für seine Ratschläge und habe sie bisher getreulich befolgt. — — — —

Bis jetzt gehöre ich noch immer dem alten, dicken Ekel. Er scheint großes Gefallen an mir zu finden, denn er bezahlt alles, was sie verlangt.

Ich hatte einige Tage die Hoffnung, daß er mich vielleicht herausnehmen würde. Als er einmal sehr guter Laune war, bat ich ihn darum. Ich versprach, bei ihm zu bleiben, so lange er mich haben wolle – natürlich sagte ich das nur, denn ich wäre sofort ausgerissen, wenn ich das Haus hinter mir gehabt hätte. Aber er lachte mich nur aus.

»Nee, Kleine, auf den Leim kriech' ich nicht. Ich habe das hier viel besser und bequemer. Solange ich nicht will, kriegt dich kein anderer. In dieser Weise ist die Rottmann anständig, da betrügt sie nicht.« —

Bis jetzt habe ich also nur diesem einen gehört, aber wie lange wird es dauern und ich gehöre jedem, der mich will!

Der Gedanke ist mir furchtbar!

Ich liebe das Leben so sehr. Ich bin jung, und jede Kreatur hängt am Leben. Und doch – wenn ich irgendein Mittel hätte, ich würde mich töten. – Aber hier ist auch auf solche Stimmungen Rücksicht genommen, ich bin gewiß nicht die erste Anfängerin. —