Noch vor einem Jahre war ich ein dummes, leidenschaftlich verliebtes Ding. Und nun? Mir ist zuweilen, als ob ich das gar nicht bin. Mir ist, als sei das alles schon eine Ewigkeit. Bin ich es wirklich, deren Herz einst aufjubelte bei den törichten Liebesworten, die man mir ins Ohr flüsterte?
Und jetzt! Ich glaube, ich kann nie wieder Liebe und Leidenschaft empfinden. – Mögen sie mit meinem Körper Schacher treiben, meine Seele gehört mir. Meine Seele bleibt rein. —
Ich bin keine Dirne und will auch keine werden. —
Ich sinne und sinne, wie aus diesem Hause herauszukommen ist, aber alle meine Bemühungen sind erfolglos.
In einem Gefängnis könnte ich nicht sicherer verwahrt sein.
Die Tür ist Tag und Nacht gut bewacht, und Neuankömmlingen wird nur unter gewissen Vorsichtsmaßregeln geöffnet.
Nur alte Bekannte, die das bestimmte Klingelzeichen geben, können ohne weiteres herein.
Ich habe mir gestern die Rückseite des Hauses angesehen, ich hoffte, vielleicht von da auf ein Nebengrundstück kommen zu können, aber auch diese Hoffnung muß ich aufgeben.
Eine glatte, hohe Mauer umgibt einen kleinen, dreieckigen Hof, und die Fenster, die nach diesem Hofe gehen, sind nicht zu öffnen, sondern haben nur oben eine kleine Luftscheibe. Jenseits der Mauer sind sehr hohe Häuser; auf der einen Seite ein kleineres, das aber, wie es scheint, unbewohnt ist.