Den 5. Juli.
Gestern abend ist es toll hergegangen. Es war furchtbar voll, denn es ist nichts Seltenes, daß auch Herren mit fremden Mädchen kommen, ordentlich zechen und dann ein Zimmer nehmen. So auch gestern abend. Es waren sehr viele und auch sehr elegante Damen da. Aber Bronja sagt, ich steche alle aus. Wenn ich so dabei bliebe, sei ich mit zwanzig Jahren eine königliche Schönheit.
Wenn ich dann nicht schon tot bin. — —
Mir kommt es vor, als ob auch zuweilen verheiratete Frauen hierher kämen, und Bronja meint, das sei schon so. Das seien solche, denen es zu gut ginge, oder auch solche, die sich etwas Taschengeld nebenbei verdienten.
Ich möchte sie an meine Stelle wünschen. — —
Der Dicke war auch da gestern abend. Ich habe wohl bemerkt, daß die Herren sehr viel nach mir guckten, aber er wich nicht von meiner Seite. Er war ordentlich stolz, daß er der Besitzer war. Als ob er das seiner Schönheit zu verdanken hätte.
Ich dachte an Bronjas Mahnung, ich solle schön mit ihm tun – ich kann es nicht. Ich werde Gott danken, wenn er nicht mehr kommt. Ich habe gestern auch zu viel getrunken. Es läßt sich nicht ganz vermeiden, so sehr ich mich auch in acht nehme.
Und dann die Hauptsache: man kommt besser darüber weg, wenn man nicht ganz bei Sinnen ist. —
Wie soll man es sonst nur auf die Dauer aushalten?
Die Madame schimpft noch dazu immer, daß ich nicht genug trinke.