An wen sollte ich auch schreiben?

Für die Großeltern bin ich tot, und hier im Lande habe ich keine Seele, die sich um mich sorgt.

Was mögen wohl die lieben, alten Leute für Kummer gehabt haben, als sie erfahren haben, daß ich nicht bei den Verwandten angekommen bin? Vielleicht haben sie gedacht, ich bin kurz vorher über Bord gefallen. Denn ich bin doch spurlos verschwunden. Nur Frau Fröhlich und ihr sauberer Neffe könnten Auskunft geben, und die werden sich hüten.


Ich möchte nur wissen, wo mein Koffer ist. Die Rottmann sagte doch damals, sie hätte ihn holen lassen.

Mich wundert nur, daß die beiden ihn nicht behalten haben, jedenfalls ist ihnen der Inhalt zu gewöhnlich gewesen. —

Wie froh wäre ich, könnte ich meine Wäsche anziehen, die darin war. Wie gern würfe ich den ganzen Plunder von mir.

Damit will ich nicht sagen, daß ich die feinen Sachen nicht mag, ganz gewiß nicht! Schön ist es, so zarte Stoffe zu tragen – aber unter diesen Umständen! Ja, wenn ich reich wäre – recht reich –, dann würde ich auch feine seidene Hemden tragen und mich an meiner Schönheit freuen – aber so!

Ich sei schön, sagen sie – und wenn ich mich zuweilen im Spiegel betrachte, komme ich mir so unrein vor, so fleckig, so – pfui Teufel, habe ich dann einen merkwürdigen Geschmack auf der Zunge. —

Dann hätte ich auch Lust, mir dicken Puder an Gesicht und Hals zu schmieren, wie sie's alle hier machen. — — —