Ich bin auch fortgekommen – aber schön ist es hier nicht. — —

Am ersten April war ein Volontär bei uns eingetreten. Der Sohn eines Gutsbesitzers aus dem Hessischen. Er war sehr hübsch, so flott und lustig, daß wir bald gute Freunde waren. —

Warum Rudolph Schönewald gerade zu uns gekommen war, weiß ich nicht, denn lernen konnte er bei uns wahrhaftig nicht viel. Rosine sagte mir, daß er schon auf verschiedenen Gütern gewesen sei, aber nirgends ausgehalten habe.

Bei uns kam es nicht so genau darauf an. Er bezahlte eine schöne Summe dazu, und das konnte mein Vater gut gebrauchen. — —

Rudolph war noch nicht vier Wochen bei uns, als wir uns schon heimlich trafen. Bald im Feld, bald im nahen Gehölz.

Ich liebte ihn sehr, und er nannte mich seine süße, kleine Lotte. Ob er mich ebensosehr geliebt, wie ich ihn? Ich zweifle jetzt oft daran. Wenn ich darüber nachdenke, ist mir, als ob er viel kühler und ruhiger gewesen sei als ich.

Er hat wohl schon mehr junge Mädchen gekannt und geliebt. —

Für mich war es etwas Neues, Überwältigendes.

Ich war in jenen seligen, duftschweren Sommerwochen wie im Fieber. Ich war gar nicht ich selbst.

Dieses heimliche Suchen und Finden. — — —