Werner schreibt mir, daß sein Schiff zehn Tage überliegt, aber dann holt er mich bestimmt, ich soll ihm vertrauen.

Der Doktor war sehr vorsichtig, er gab mir den Brief erst, nachdem er mit mir im Zimmer war, und als ich ihn gelesen, mußte ich ihn zerreißen, und er steckte die Stückchen in die Tasche. —

Er selbst hat Werner geraten, nicht an mich direkt zu schreiben, denn es hätte auffallen müssen, wenn ich einen Brief von Europa bekommen hätte.

Er hat recht, daran habe ich gar nicht gedacht. Überhaupt habe ich mir noch gar nicht überlegt, daß ja niemand meinen Familiennamen weiß. Man vergißt ihn hier beinahe. Man ist wie im Zuchthaus – nur eine Nummer.

Ich hatte überhaupt meinen guten Tag heute, nur anständigen Besuch. Von einem habe ich sogar ein wunderschönes Geschenk bekommen, eine reizende, brillantenbesetzte Uhr.

Ich war ganz sprachlos.

Ich habe sie später Bronja gezeigt, die hat aber meine Freude mächtig gedämpft.

»Der hat sie sicher erst gestohlen,« sagte sie trocken. »Denn sonst verschenken sie nicht so leicht so kostbare Dinger.«

Meinetwegen, ich freue mich trotzdem.

Aber recht könnte Bronja schon haben, etwas sonderbar ist es. Kennt mich nicht weiter und schenkt mir gleich eine Uhr?