Unser fertiges Wohnhaus.
Rückseite mit Aussicht auf den Hof.
(Zu [S. 224].)

Eine Ecke der Diele im Hause Prince mit Durchblick in das Speisezimmer.
(Zu [S. 224].)

Idyll auf dem Hofe der Kaffepflanzung zu Sakkarani.
(Zu [S. 229].)

Meine besondere Hausfrauenfreude ist natürlich mein Garten. Da blühen und duften als deutsche Lieblinge längst Veilchen und Rosen, zwischen ihnen aber auch eine schöne Afrikanerin, eine lilienartige Amaryllis mit einem prächtigen Kranz von fünf großen, weißleuchtenden, bräunlichrot gestreiften Blättern. Zu den ersten Apfelsinenbäumen haben sich Apfelbäume und Pfirsiche hinzugesellt, welch letztere in anderthalb Jahren drei Meter hoch wurden und prächtig tragen; auch Kirschen, Birnen und Pflaumen ernte ich schon. Ausgezeichnet gedeihen die angepflanzten Eukalyptusbäume, die in vier Jahren die enorme Höhe von fünfzehn Metern erreichten und mich, aus der Ferne gesehen, oft an unseren heimischen Fichtenwald erinnern. An europäischem Gemüse fehlt es meiner Küche nie. Aber auch allerlei Versuchsbeete sind angelegt worden: Chinin, Kampfer, Gerberakazie. Man muß erproben, was zu bauen sich lohnt. Neuerdings versprechen wir uns, neben dem Kaffee, viel vom Kautschuk und, was meinen Lesern neu sein wird, von Zedern-Anpflanzungen. Das Zedernholz ist ja, schon für die Bleistiftfabrikation, ungemein gesucht. Ich darf’s als unsere bestimmte Hoffnung verraten: unsere Usambara-Zedern werden dereinst es mit den historischen vom Libanon mindestens aufnehmen können.

Wie wir leben?

Wir arbeiten! Das ist das beste. Aber man denke nun nicht, daß wir in ostafrikanischer Einsamkeit versauern. Es gibt heut, mindestens bei uns in den schönen Usambara-Bergen, keine Einsamkeit in dem Sinne, wie der Deutsche in der Heimat sich das vorstellen mag. Es fehlt uns durchaus nicht an Verkehr. Gleich den Gutsbesitzern daheim wechseln wir Besuche mit den befreundeten Besitzern der Nachbarplantagen, mit den Herren vom Bezirksamt, mit den Gästen des nahen Sanatoriums. Das Traumbild, das uns vor fünf Jahren, beim ersten Einrücken in unser Reich, aufstieg, hat sich nun verwirklicht, und so mancher Leidende aus den heißen Gebieten holte sich im Usambara-Sanatorium bereits frische Kraft.

Und dann gibt es viele, viele liebe Gäste. Freilich ist der Besuch sehr verschiedener Art. Da sind, um mit dem Auslande anzufangen, durchreisende Engländer; besonders dankbar für die genossene Gastfreundschaft. Dann deutsche Jäger: zumal willkommen hiesige Bekannte und solche Männer, die, wie Prof. Dr. Paasche, aus reinem Interesse für die Kolonie zu uns kommen und sich mit offenem Blick in ihr zu orientieren vermögen. Auf der andern Seite fehlt’s aber auch nicht an „verbummelten Genies“, die sich von einer Plantage zur andern durchfuttern und die man nicht selten, mehr oder minder sanft, herausgraulen muß, am leichtesten meist durch sich steigernde Einschränkung — der geistigen Getränke. Weiter kommen Stellungsuchende, oft sehr fragwürdiger Art, und auch Goldsucher fehlen nicht. Wir liegen wirklich nicht mehr außerhalb der Welt. Was bedeuten denn die vier Stunden zu unserer Bahnstation Mombo? Für unsere Eltern war’s daheim oft weiter bis zum nächsten Schienenstrang. Ein Hotel gibt es eben in unserer Nähe nicht, und so ist jeder Reisende auf Gastfreundschaft angewiesen, die aber überall in Deutsch-Ostafrika aufs freundlichste gewährt wird.