Als unsere Plantage — ja immer das Wichtigste! — einigermaßen im Gange war, konnten wir endlich auch an den Bau eines massiven Hauses denken. Guter Ton für die Ziegel war nach einigem Suchen gefunden worden, und die Ziegelei mit all ihren Finessen längst im Betrieb. Für das Fundament unseres Hauses aber brauchten wir Steine; zum Steinschlagen jedoch hatten die Neger merkwürdigerweise weder Neigung noch Fähigkeit. Es war ihnen zu neu, sie bildeten sich auch wohl ein, es sei eine furchtbar anstrengende Arbeit. Erst nachdem ihnen mein Mann höheren Lohn gab und einige besondere Vergünstigungen zugestand, ließ sich das seltsame Vorurteil wenigstens bei den besten überwinden. Allmählich lernten sie sich auch ganz gut ein: anfangs schlugen sie nur kleine Steine los, bald verstanden sie jedoch auch größere Quadern zu lösen. Übung macht den Meister. Umständlich und schwierig war der Transport der Steine zur Baustelle, wie auch der der Ziegel. Einen Fahrweg anzulegen, lohnte nicht, zumal da eingefahrene Tiere nicht zu kaufen sind. Ein Versuch mit Eseln aber scheiterte kläglich an deren Störrigkeit. So mußten wir schließlich doch zu der alten afrikanischen Transportart zurückgreifen: die Steine und Ziegel wurden von den Negern herangetragen.

Nachdem wir sehr gründlich als unsere eigenen Architekten den Plan des Hauses durchberaten hatten, ging’s ans Abstecken und das Bodenausheben für das Fundament. In der Nähe der Baustelle war ein Loch ausgehoben worden, in dem der Mörtel zurechtgestampft wurde. Leichtfüßige Knaben trugen ihn in leeren Petroleumfässern — die in Afrika ein gar begehrter, vielseitig verwendeter Artikel sind — den Maurern zu, die schon am Werk waren mit nicht geringem Geschrei: „Udongo! Udongo!“ — „Erde her!“, also ungefähr unserem „Lehm up“ entsprechend. Die Herren Maurer sind wie bei uns verschieden geschickt; so erhielten die gewandteren die Erker, Fenster-, Türkanten zugewiesen, die minder tüchtigen die glatten Flächen, wobei sich freilich beim Nachprüfen mit dem Lot oft genug die Notwendigkeit ergab, ein ganzes Stück windschiefer Arbeit wieder einreißen zu lassen, denn Augenmaß ist den Negern nicht gegeben.

Mit wachsender Freude sahen wir die Mauern emporsteigen und den Inder in Tätigkeit, der hier den Zimmermann spielte, Tür- und Fensterrahmen und den Dachstuhl bearbeitete. Grade damals — zwischen Tür und Angel sozusagen — wurde mir mein erster, kleiner Usambarit geschenkt, der mit seinem schwarzen Milchbruder um die Wette prächtig heranwuchs, ja jenen bald überholte.

So kam das Rüstfest heran, denn ein solches darf auch in Ostafrika nicht fehlen. Als der Dachstuhl lag und mit Wellblech, wie hier fast überall, eingedeckt war, meldeten sich die Maurer um ihren Backschisch, und ein junges Öchslein mußte zur Feier des Tages sein Leben lassen; natürlich auf „koschere“ Art, denn die meisten Neger essen kein Fleisch, wenn das Tier nicht am Halse durchschnitten wurde — selbst mit der Jagdbeute verfahren sie nach Möglichkeit so.

Bald war das Haus auch verputzt, und frohen Sinnes zogen wir in das erste Zimmer, das fertig geworden war. Wirklich sehr frohen Sinnes, weil das Wohnen in der Hütte uns durch die Ratten gründlich vergällt wurde — so sehr, daß wir sogar schon reumütig zu den Zelten zurückgekehrt waren. Endlich, endlich hatten wir jetzt ein eigenes, festes Dach über uns! Eine bleibende Stätte! Es kam uns vor, als hätten wir einen steilen, steilen Berg erklommen und dürften nun befriedigt und dankbar von unserer Höhe auf die arbeitsreiche Zeit zurückschauen, die hinter uns lag, und zuversichtlich hinaus auf die Zukunft vor uns!

Stillestehen, ruhen und rasten freilich darf man nie. Unsere Anlage wurde denn auch fortgesetzt vergrößert und ausgebaut. Massive Ställe entstanden und massive Arbeiterwohnungen, zu denen sich die Waschambaas drängten — solch schmuckes, sauberes Häuslein zieht sie doch mächtig an — und wir erkannten in ihrem Bau ein wichtiges Mittel, uns einen festen Arbeiterstamm zu sichern. Natürlich erhält jeder Mann zu seinem Hause auch soviel Feld, wie er haben will, um ihn recht seßhaft zu machen, und er wird bei der Einrichtung nach allen Richtungen hin unterstützt. Ich muß es immer aufs neue wiederholen: wir sind ja auf den Neger angewiesen und müssen ihn durch seinen Vorteil an uns zu ketten suchen.

Die Plantage machte die erfreulichsten Fortschritte; wir können bis heute mit dem Wachstum des Kaffees durchaus zufrieden sein. Mit welcher Freude verfolgt man das von Jahreszeit zu Jahreszeit! Am schönsten ist es, wenn die Pflanzung abblüht; dann sieht es aus, als wenn frischgefallener Schnee über den Feldern liegt, und geht man hindurch, so duftet es fast betäubend. Später beobachtet man wieder den Fruchtansatz mit gespanntem Interesse, die wachsende Rundung und Vergrößerung der Kirsche. Allmählich färben sich die grünen Beeren dabei gelblich, schließlich nehmen sie eine prachtvolle Purpurfarbe an, und ihr süßliches Fleisch winkt den Vögeln als schmackhafte Speise. Nun ist auch die Zeit der Ernte gekommen. Männer, Frauen und Kinder ziehen mit ihren Körben in langen Reihen aufs Feld. Am Nachmittag wird das Geerntete heimgebracht und am Pulper aufgeschüttet. Der Strahl einer Wasserleitung führt die Kirschen durch den Pulper, wobei sie ihres Fruchtfleisches beraubt werden, in die Gärbassins. Darauf kommt der Kaffee — die Bohnen — in Waschbassins, während die Schalen für spätere Düngung gesammelt bleiben. Die Bohnen wandern dann zur Sonnentrocknung auf Tennen, wo sie beständig gewendet werden müssen, und schließlich, oder bei schlechtem Wetter auch sofort, in die Aufbereitungsanstalt. Bei schlechtem Wetter! Ja, des Wetters Gunst oder Ungunst spielt bei uns dieselbe Rolle, wie nur bei irgend einem ostelbischen Agrarier, und heilfroh sind wir, wenn der letzte Träger mit dem letzten Sack Kaffee sich auf den Weg zur Bahnstation macht.

Blick auf unsere Kaffeeplantage.
Im Vordergrunde offene, mit gutem Boden für die Pflanzen hergerichtete Löcher.
(Zu [S. 224].)