Der Abend schließt mit der Nachricht eines Überfalls und der Morgen beginnt damit. Zur Nervenberuhigung spielten wir gestern vor dem Schlafengehen noch Skat, als plötzlich ein schwarzes Gesicht und ein Gewehr sich am offenen Fenster zeigten; ich erschrak nicht wenig, aber der Soldatenkopf, der gleich darauf erschien, beruhigte mich über des Negers Absicht. Er war der traurige Rest von den Postleuten, die aus Langenburg am Nyassa-See die Post brachten, die andern waren von einem Trupp Wahehe erschlagen worden. Die Bestätigung also der gestrigen Nachricht Prinages war handgreiflich da; wir hatten schon unsere Verwunderung geäußert, warum Quawa die Karawanenstraße nicht beunruhige. Lasten von Langenburg sind hierher unterwegs; sie haben Askaribegleitkommando bekommen und dürfen nicht weiter (desgleichen Träger der Mission nach der Küste), da die nötigen Askaris zu den Begleitkommandos fehlen. Es wird jetzt schon schwer, Träger und Boten zu bekommen, sie wollen schon immer nicht mehr ohne Askaris gehen.
Heute morgen kam Nachricht, daß in der Tembe, dicht hinter der Mission 2 Stunden von hier, wo ich mit Tom auf Safari war und Tom einen Jumben eingesetzt hatte, das Vieh weggetrieben und zwei Leute dabei erschlagen worden seien. Der Jumbe ist gleich mit zwei Askaris und der Hälfte seiner Leute dem Vieh nachgegangen; die andere Hälfte ist zu Quawa übergelaufen. Mittags kam die Nachricht, daß drei Mann von Leuten Quawas angeschossen seien. Dr. Stierling ging gleich herunter, auch nur 1 Stunde von hier, und hat sie verbunden, morgen sollen sie auf die Station gebracht werden. Als Dr. Stierling etwas lange ausblieb, wieder große Sorge! Also bis dicht vor unsere Tür wagt sich Quawa! Das Schlimme bei der Sache ist, daß die gutgesinnten Wahehe das Vertrauen zu uns verlieren, wenn unsere Anhänger so vor der Nase weggeschlachtet werden.
20. März 1897.
Tom wird wahrscheinlich Merere hier als Sultan einsetzen, um ihn mit zu dem großen Schlag benutzen zu können. Seine Leute sollen sich hier in der Nähe ansiedeln, damit sie an der Station einen Halt haben. Den ganzen Tag starker Regen.
Vorgestern waren wir im Garten und freuten uns, wie hier alles gedeiht, Weizen, Kartoffeln, alle Gemüsearten, sogar Rosenkohl, Salate, Radieschen, Rettich haben angesetzt. Auch die von der katholischen Missionsstation in Mrogoro geschenkten Apfelsinen-, Zitronen- und Mangobäumchen setzen Triebe an. Mapera, Papayen und Bananen selbstverständlich, auch das von Kisaki von uns mitgebrachte Gras und der Kaktus.
Ein vorzüglicher Boden ist hier: als Fata Morgana sehe ich schon alles mit Weißen besiedelt. So hatten wir im Garten einen Kohlkopf von 15 Pfund Gewicht. Rosen- und Kaffeebäumchen hat uns die Mission später auch geschickt.
Heute kam die Nachricht, daß zwei Soldaten und sieben Träger totgeschlagen seien auf dem Wege zu Kiwanga. Es ist furchtbar! Aber wenn ich bedenke, wie uns die erste Mordtat aufregte, kann ich uns beinahe gleichgültig der Nachricht gegenüber nennen. Nur ein Gedanke steht jetzt im Vordergrund: wie ist dem Zustand abzuhelfen? Was wird der nächste Tag bringen? Die Wahehe fördern immer neue Überraschungen zutage!
21. März 1897.
Wieder sitze ich abends allein und bete für meinen Mann, ob ich ihn gesund wiedersehen werde? Der Mensch kann doch viel ertragen, wenn es heißt: seine Pflicht erfüllen.
Tom hörte von einem Ort, an welchem Quawa stecken sollte, ließ nachforschen und fand es heute einigermaßen bestätigt; daraufhin ist er, als es dunkel war, heimlich aufgebrochen.