Lagerleben: Askarizelte.
(Zu [S. 131].)

Lagerleben: Die Safari- (Reise-) Küche.
(Zu [S. 131].)

3. August 1897.

Am 1. August kam Oberst Liebert zur Station zurück, mit ihm Herr v. Bruchhausen und Graf Fugger, während Tom die Expedition weiter leitete. Wenn auch der Zweck nicht erreicht war und unser Todfeind Quawa auch diesesmal wieder entkam, so sprach der Gouverneur doch seine Freude aus, jetzt auch den „afrikanischen“ Krieg praktisch kennen gelernt zu haben; wie Tom so hat auch er mit seinen Begleitern einen Höhlenkampf mitgemacht: er war an eine der Höhlen herangetreten, um die Insassen zum friedlichen Herauskommen zu bewegen, als ihm ein Schuß aus nächster Nähe entgegenkrachte. Der Geistesgegenwart seines Boys, der ihn zurückriß, hat der Gouverneur es zu verdanken, daß ihn die Kugel nicht traf. Eine solche unterirdische Kriegführung war ihm, wie er mir lachend erzählte, weder 1866 in Böhmen, noch 1870 in Frankreich vorgekommen.

In Tanangosi hatte sich unser Freund Kiwanga ihm angeschlossen und seine Krieger für den Quawafeldzug zur Verfügung gestellt. Jetzt war er wieder zurückgekehrt. Er schien sehr beglückt, daß der Gouverneur seine Leute gelobt habe, als er sie ihm truppweise „im Laufschritt“ vorgeführt hatte und ließ es sich nicht nehmen, seine Scharen nun auch im Kriegstanze zu zeigen, von dem ich dem Gouverneur viel erzählt hatte. Dabei wurde ich durch die unbewußte Galanterie eines dieser schwarzen Helden etwas in Verlegenheit gesetzt: anstatt vor dem Gouverneur kniete einer der den Reigen anführenden Wahehekrieger vor mir nieder; auf meinen Wink verbesserte er aber sofort diesen Irrtum und brachte dem Gouverneur seine Huldigung. Natürlich tanzte dazu auch diesesmal der Sultan höchsteigenbeinig an der Spitze seiner Leute; es mag dem Gouverneur nicht leicht geworden sein, angesichts dieser grotesken Figur in weißer Uniform mit Tropenhelm, die mit geschwungenem Säbel die unglaublichsten Luftsprünge ausführte, den nötigen Ernst zu bewahren. Diesesmal waren Kiwangas Schuhe übrigens der anstrengenden Übung gewachsen.

4. August 1897.

Heute verabschiedete sich der Gouverneur von uns, um den Rückmarsch nach der Küste über das Utschungwa-Gebirge anzutreten. Leutnant Passavant war nach Idunda gegangen, um dort die 3. Kompagnie zu übernehmen. Bezirksamtmann Zache blieb bei der 6. Kompagnie, die der Gouverneur nebst der 2. Kompagnie zur Verstärkung der Stationen in Uhehe für den Vernichtungskampf gegen Quawa hier gelassen hat. Nur Herr v. Bruchhausen kehrte wieder mit an die Küste zurück. Kiwanga und seine Krieger gaben ihnen das Geleite. Es waren schöne, frohbewegte Tage, die hinter uns liegen. Möchte dieser Zug des Gouverneurs durch das Gebirgsland Uhehe bald segensreiche Früchte für unsere neue Heimat tragen. Der Abschied war herzlich, Oberst Liebert sprach Tom seine Anerkennung aus für alles, was er hier geschaffen, und auch ich kam nicht zu kurz dabei als „erste deutsche Hausfrau im Innern von Deutsch-Ostafrika“. Der Gouverneur legte mir besonders dringend ans Herz, unter allen Umständen hier zu bleiben, wo wir unentbehrlich seien. Unentbehrlich??... Qui vivra verra!